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Stefan Raab

Dass Stefan Raab sich in Musik- und Fernsehdingen gewissermaßen für allmächtig hält, ist ein Eindruck, der sich schon seit vielen Jahren bei mir eingestellt hat. So langsam scheint es aber auch noch mit dem letzten Rest bescheidener Zurückhaltung vorbei zu sein, denn in letzter Zeit wollte Raab nicht nur zeigen, dass er eigentlich auch der beste Polit-Talkshow-Moderator im deutschen Fernsehen ist („Absolute Mehrheit“), sondern hat auch noch eine eigene Karnevalssendung angekündigt. Und weil Pro Sieben anscheinend so sehr auf den Mann angewiesen ist, dass der Sender ihm Gerüchten zufolge (wie die FAZ berichtete) gerne einen neunstelligen Geldbetrag hinterhergeschmissen hat (Leistung muss sich ja lohnen, wie der FDP-Applaus in „Absolute Mehrheit“ gezeigt hat), wird dort offenbar auch ausnahmslos jede seiner Ideen bereitwillig gesendet. Ich habe mir deshalb einmal ein paar ähnlich kreative Gedanken darüber gemacht, womit Stefan Raab auch in Zukunft noch die Medienöffentlichkeit „überraschen“ könnte. Seine Witze und Interviews in „TV total“ zeigen schließlich, dass er sich bei Vorbereitungen gerne auch mal Arbeit abnehmen lässt.

  • „Raab kocht“: Was sich Johannes B. Kerner eventuell als Verlegenheitslösung ausgedacht hat und von seinem ähnlich kreativen Nachfolger Markus Lanz sogar übernommen wurde, könnte Raab zu neuen Höhen führen. „Das Genre der Kochsendungen ist mittlerweile so ausgelutscht“, würde Raab bei der Ankündigung des Formats möglicherweise sagen, nicht ohne dabei noch einen Witz mit „ausgelutscht“ und Essen mitzunehmen. „Dabei bin ich mir sicher, dass man mit ein bisschen mehr Wettbewerbsgedanke eine unterhaltsame Samstagabendshow daraus machen könnte.“ Gesagt – getan: In der natürlich von Brainpool produzierten Show würde rundenweise jeweils ein (fernsehbekannter) Profikoch gegen einen Kandidaten antreten, wobei eine Jury aus Raab, Elton und anderen Sendergesichtern am Ende für die Verkostung zuständig ist. Als Gewinn gäbe es 100.000 Euro, die aber in einen Jackpot fließen, sofern der Profikoch gewinnt. Alle zehn Minuten gibt es außerdem ein Auto zu gewinnen, dessen Ankündigung mit Raabs üblichem leisen Schlagzeugbeat unterlegt ist. Am Ende kocht Raab natürlich auch noch persönlich, aber qua Spielregel ist er automatisch der Beste des Abends.
  • „Wer wird Milliardär?“: Weil sich Quizshows im deutschen Fernsehen momentan konjunkturgemäß wieder in der Rezession befinden, sähe es Raab gerade als besondere Herausforderung an, einer eigenen Quizshow zu Quotenerfolgen zu verhelfen, da er so gerne die Feuilletonartikel darüber läse, dass diesem „Genie [i. e. Raab] doch alles gelingt, was er anfässt“. Dies gelingt natürlich nur mit einer bislang unerhörten Gewinnsumme, nämlich einer Milliarde Euro, die Raab mal eben aus seiner privaten Portokasse vorstreckt. Dass die Zeitungen vorher ethische Debatten darüber anstellen würden, ob man einen solch hohen Gewinn überhaupt ausloben dürfe, juckt ihn mit seinem unverkrampftem Verhältnis zu Geld wenig, dafür steigert es die Aufmerksamkeit so sehr, dass sich selbst RTL nicht traut, parallel Dieter Bohlen gegen die Sendung antreten zu lassen und lieber einen zehn Jahre alten mittelmäßigen Actionfilm wiederholt. Weil Raab aber ausgefuchst ist und den Kandidaten zu Beginn der Sendung per SMS von den Zuschauern bestimmen lässt, die bei einer Auswahl von fünf Vorschlägen erwartungsgemäß für einen sympathischen aber naiven bauernhaften Sportstudenten stimmen, gewinnt zum Schluss natürlich er persönlich. Alle zehn Minuten gibt es außerdem ein Auto zu gewinnen, und als Quizfrage für dieses SMS-Gewinnspiel gibt es die Frage, an der der Sportstudent später scheitern wird.
  • „Das Wort zum Samstag“: Die Fernsehpredigt sieht der katholisch erzogene Raab als „letzte Bastion der öffentlich-rechtlichen Sender“ (fiktives Zitat, genau wie alles andere hier), und lässt daher das Fernsehpublikum in einer vierstündigen großen Samstagabendshow über den besten Nachwuchsprediger abstimmen. Nach der ersten Runde, in der jeder der zehn Kandidaten einen fünfminütigen moralischen Appell an die Zuschauer richten kann, werden die besten drei für das Finale der Show ausgesiebt. Dabei kann man vom heimischen Wohnzimmer aus jederzeit per kostenpflichtiger SMS über seinen Favoriten abstimmen, wobei während der Sendung stets ein „Live-Ranking“ eingeblendet wird, in dem man den aktuellen Zwischenstand sieht. „Dies sorgt dafür, dass es gleich zweimal pro Sendung ein Maximum in der Ertragskurve, ääh, dass es so richtig spannend wird.“ Zusätzlich kann man zuhause ein Auto gewinnen, denn „die Bibel lehrt uns zwar, dass Habgier zu den sieben Todsünden gehört, aber lehrt uns die Fernsehwerbung nicht auch: ‚Geiz ist geil?‘ Hahaha“, wie Raab möglicherweise gekonnt über kritische Kommentare hinweggehen würde. Am Ende gewinnt übrigens der Kandidat Wolfgang Kubicki mit einer Predigt für mehr Eigeninitiative.
  • „Quarks und Raab“: Angestoßen vom Erfolg des „Quarks-und-Co“-Spinoffs „Quarks und Caspers“ im WDR könnte Stefan Raab eines Tages per Pressemitteilung bekannt geben, dass man „auch mit Naturwissenschaften ein Millionenpublikum erreichen“ könne, „wenn man es so unterhaltsam macht wie ich [i. e. Raab]“. Prompt wird in den Feuilletons wieder diskutiert, ob denn ausgerechnet er der Richtige dafür sei, doch die Redakteure sind sich am Ende darüber einig, dass Raab eigentlich wirklich alles könne, „also warum nicht auch Wissenschaft?“ In der Show dürfen dann Physik- und Chemielehrer aus ganz Deutschland als Kandidaten gegen Raab antreten und im Wettstreit die buntesten und lautesten Experimente mit dem größten Erkenntnisgewinn vorführen. Für die nötige wissenschaftliche Tiefe sorgt mit passenden Erklärungen übrigens Pro-Sieben-Senderkollege Aiman Abdallah, den Raab mit der Frage begrüßt, ob es bei seinen Freunden in der Wüste denn überhaupt andere Wissenschaftler als Kamelforscher gäbe (derartige Pointen sind bei seinem Publikum gut erprobt). Obwohl Raab kein einziges Experiment gelingt, tobt der Saal bei ihm jedes Mal, weil das Studiopublikum vom „Warm-Upper“ per Handzeichen dazu angewiesen wird (wie es das bereits von „TV total“ gewöhnt ist). Alle zehn Minuten gibt es außerdem ein Auto zu gewinnen. Die größte Überraschung könnte Raab allerdings mit folgender Fernsehidee gelingen:
  • Eine einstündige Show, in der Raab prominente Gäste einlädt, die gerade keine Werbung für ihre Filme/Sendungen/CDs machen müssen. Mit diesen spricht er dann über Dinge, die in keiner anderen Talkshow behandelt werden, und stellt mitunter auch unverschämte Fragen, wobei es für eine besondere Atmosphäre sorgt, dass während der Aufzeichnung nur wenig bis gar kein Studiopublikum anwesend ist. Zwischendurch zeigt Raab originelle, selbst ausgedachte Einspieler oder witzige Liedideen, die sich angenehm von der gewohnten Ernsthaftigkeit abheben. Der Qualität zuträglich ist, dass er sich dabei zur Abwechslung selbst inhaltlich auf die Sendung vorbereitet und keine von „mit Recht unterbezahlten“ Studenten geschriebenen Billig-Pointen von Pappkartons abliest. Das Ganze ist zudem keinem bestimmten Genre zuzuordnen, weil Raab in dieser Sendung zahlreiche Fernsehkonventionen subversiv missachtet.

Letztere Sendung würde zwar möglicherweise unterdurchschnittliche Quoten einfahren, weil dem Publikum die Orientierungshilfe fehlen würde, an welcher Stelle man zu lachen hat, allerdings würde ich persönlich für eine solche Show vielleicht sogar mal wieder bei ihm einschalten.

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Es kann nur „E1NEN“ geben

Oliver Geissen hat Glück: Eine seiner Sendungen hat es in eine zweite Staffel geschafft! Seitdem er seine Polit-Talkshow aufgegeben hat, erreicht er eigentlich nur noch mit seiner Chartshow akzeptable Marktanteile. Showideen wie „Surprise, Surprise!“, „Die Show der Woche“, „Guiness World Records – Die größten Weltrekorde“ oder „18 – Die beste Zeit meines Lebens“ waren anscheinend zu originell und zu sehr ihrer Zeit voraus, um vom RTL-Publikum akzeptiert zu werden. Die Zukunft für seinen neuerlichen Versuch namens „Kinder fragen – Comedians antworten“ (vielleicht liegt es auch an den ganzen Gedankenstrichen?) scheint auch nicht so rosig auszusehen. So langsam muss es doch also mal klappen mit den Quoten, also darf Oliver Geissen nach zwei (an mir leider vorübergegangenen) Pilotsendungen im letzten Jahr jetzt noch mal ran mit dem pfiffig gewählten Showtitel „Es kann nur E1NEN geben“; einem klassischen Fall überambitionierter Logodesigner, die sich beim Fertigstellen ihres Entwurfs gedacht haben: „Mann, sind wir pfiffig!“ Als Strafe dafür würde ich die Sendung immer „Es kann nur e-eins-nen geben“ aussprechen.

Die Sendung läuft nach dem folgenden Prinzip ab: Es werden Prominente eingeladen, denen Kandidaten vorgestellt werden, von denen pro Runde genau einer eine bestimmte besondere Eigenschaft hat. Allerdings behaupten alle dieser Kandidaten, diese Eigenschaft zu besitzen, und die Prominenten müssen durch geschicktes Fragestellen herauszufinden, welcher davon als einziger nicht lügt. Eigentlich ein ganz originelles Konzept, auch wenn es mich ein wenig an eine andere Show erinnert hat, aber nur ganz marginal. Im SWR gibt es nämlich eine Sendung namens „Sag die Wahrheit“, welche folgendermaßen abläuft: Es werden Prominente eingeladen, denen Kandidaten vorgestellt werden, von denen pro Runde genau einer eine bestimmte besondere Eigenschaft hat. Allerdings behaupten alle dieser Kandidaten, diese Eigenschaft zu besitzen, und die Prominenten müssen durch geschicktes Fragestellen herauszufinden, welcher davon als einziger nicht lügt.

„Es kann nur e-eins-nen geben“ hat jedoch zwei Teams, die gegeneinander antreten. In der gestrigen Folge (ich würde zwar noch „heute“ sagen, aber es ist ja jetzt nach 0 Uhr) bestand ein Team aus Andrea Kiewel und Joachim Llambi, das andere aus „Atze Schröder“ und David Werker. Zwei von diesen „Prominenten“ kannte ich bis vor kurzem gar nicht: Joachim Llambi ist eigentlich Jurymitglied bei der Tanzsendung „Let’s Dance“ (natürlich auch bei RTL, man gibt bewährte Gesichter ja gerne senderintern weiter) und dort dafür bekannt, immer die schlechtesten Bewertungen abzugeben und dabei so unfreundlich wie möglich zu kucken. So wie dieser Opa bei „Die Promi-Kocharena“. Im Laufe der letzten Jahre wurde er von RTL so erfolgreich aufgebaut, dass er nun auch als prominenter Gast in anderen Sendungen genutzt werden kann, so wie in dieser hier. Ein RTL-Neuzugang hingegen ist David Werker, der bislang hauptsächlich in kleinen Comedy- und Kabarettsendungen im Öffentlich-Rechtlichen aufgetreten war, und aufgrund seines senderkompatiblen Humors wohl nun von RTL engagiert wurde, um dort ebenso aufgebaut zu werden. „Zufällig“ wurde dort vorgestern Abend auch sein Bühnenprogramm ausgestrahlt, was für einen unbekannten Komiker ungewöhnlich ist. Was lässt ihn denn so geeignet für RTL erscheinen? Er bedient ein Klischee, und zwar diesmal das des faulen Studenten. Das ist derzeit tatsächlich eine „Marktlücke“ auf dem deutschen Comedy-Markt, denn bisher gibt es als bewährte Figuren nur den Klassenclown (Oliver Pocher), den Mann mit Sprachfehler („Paul Panzer“), den „anders Begabten“ („Maddin“ Schneider), den Ossi („Olaf Schubert“), den Türken (Bülent Ceylan, gleichzeitig Metal-Fan), den toilettenputzenden Afrodeutschen (Dave Davis), den Berliner Hipster (Kurt Krömer) und eine Menge Proleten (vor allem bei RTL). David Werker ist nun der Richtige für diejenigen, die gerne über triviale Stereotypen ihrer eigenen Gesellschaftsschicht lachen wollen, dabei aber trotzdem ein Distinktionsbedürfnis gegenüber Mario Barths Zielgruppe haben. Denn dieser „Kennt-ihr-das“-Humor ist eigentlich bei beiden ähnlich; man soll sich selbst oder Bekannte darin wiedererkennen, ohne jedoch unnötig zum Nachdenken angeregt zu werden: Stereotypen werden also gefestigt statt dekonstruiert, wie es ein guter Kabarettist vielleicht tun würde.

Jetzt schweife ich aber ab. Die Sendung „Es kann nur 31n3n geben“ verlief jedenfalls so unspektakulär wie man es erwartet: Die Kandidaten waren zwar sendertypisch möglichst auf möglichst spektakulär gecastet, aber ich konnte es mir durchaus ganz gut ankucken, ohne gleich einen starken Drang zum Umschalten zu bekommen. (Anders hingegen: Die Premiere von „Die RTL Comedy-Woche“, vorgestern.) Oliver Geissen ist mir trotzdem nicht besonders sympathisch, denn er ist so lustig, dass er eigentlich auch eine Comedyshow auf seinem Sender machen könnte: „Der Moderator hat einen Vokuhila“, sagte der Mann, der Atze Schröder darstellt, in der gestrigen Sendung, und der Moderator antwortete: „Aber nicht auf dem Kopf!“ Haha, wahrscheinlich ein reflexartiger Rückgriff auf den Intimbereich, wie er bei Comedians wie Oliver Pocher permanent im Arbeitsspeicher ist, um aus unverfänglichen Andeutungen ohne große Anstrengung mal schnell einen Lacher herauszuholen. Doch hätte er genauer nachgedacht, dann wäre ihm aufgefallen, dass dieser Konter eigentlich nach hinten losgegangen war. Da kucke ich nächstes Mal doch lieber „Sag die Wahrheit“, denn da ist wenigstens Mike Krüger dabei (haha), und einer dieser völlig durchschnittlichen Moderatoren à la Markus Lanz oder Jörg Pilawa, von denen man meistens nicht mal den Namen kennt, nur etwas älter. Hiermit endet mein Beitrag auch schon, ganz ohne Pointe, passend zum Gegenstand.

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Wetten dass

Jetzt ist es offiziell: Markus Lanz wird Nachfolger von Wolfgang Lippert!

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