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Unnötige Listen I

Nachdem Liam Neeson am Samstag bei „Wetten dass“ von „Atze Schröder“ erklärt bekam, dass Peter Maffay im englischsprachigen Raum am ehesten mit Bruce Springsteen vergleichbar sei, ist meine Vorliebe für Schubladendenken wieder neu aufgeblüht. Daher enthält die heutige unnötige Liste mal Bands, die in der Wikipedia unter der Bezeichnung „Alternative“ oder „Punk“ geführt werden. Ein Sternchen steht dabei übrigens für die deutlich glaubwürdigere englischsprachige Wikipedia.

  • The Bosshoss*
  • Frei.Wild*
  • Die Killerpilze*
  • Avril Lavigne*
  • Liquido*
  • Alanis Morissette*
  • Nena*
  • Nickelback
  • OneRepublic
  • Reamonn*
  • Revolverheld*
  • Silbermond*
  • Sunrise Avenue*
  • Tokio Hotel*

Dank mir gibt es nun endlich eine Orientierungshilfe für Freunde ehrlicher, handgemachter Rockmusik, die auch mal Bands abseits des Mainstreams kennenlernen wollen. Seit ich diese Liste als Grundlage für mein DJ-Set auf Indie-Partys genommen habe, und den Musikwunsch „spiel doch mal Deichkind“ ignoriere, habe ich sogar viel öfter frei!

PS: Wie an der Überschrift zu erkennen ist, waren alle bisher von mir zusammengestellten Listen nötig.

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Eingeordnet unter Musik

Studenten auf Silvesterpartys

Der Spiegel-Online-Redakteur André Bosse hat gestern einen nützlichen Ratgeber-Artikel für Gastgeber von Silvesterpartys veröffentlicht. Darin geben „erfahrene DJs“ wirklich originelle Musiktips, die nur echte Profis in petto haben. Besonders die bedeutungsvollen Begründungen haben mich dazu inspiriert, den 20 genannten Songs noch ein paar ähnliche Geheimtips von meiner Seite hinzuzufügen:

21. Deichkind: „Remmidemmi“ (2006)
Ein Song wie ein Zauberstab: Plötzlich tanzen alle, Erstsemester, Hauptschüler, Denkverweigerer. Wer bei diesem Song still in der Ecke steht, der ist erwachsen genug geworden, dass ihm diese ganze elektronische Hipster-Scheiße mit „ironischen“ Texten über hartes Feiern nach dem millionsten Mal in der Indie-Disco endlich auf den Sack gehen.

22. Foo Fighters: „The Pretender“ (2007)
Eine Minute lang gibt der Song die Ruhe vor dem Sturm. Geübte Spätsemester gehen nach draußen um eine zu rauchen, um nicht mit ansehen zu müssen, wie die BWLer am Wochenende mal den Rock’n’Roller heraushängen lassen und mit den 16jährigen Langhaarigen um die Wette pogen.

23. Nirvana: „Smells Like Teen Spirit“ (1991)
So perfekt, so perfekt, alles wird perfekt. Die Partygäste mit den albernen bunten Retro-Shirts mit Atari-Motiven spielen sofort die Gitarre im Intro auf der Club-Mate-Flasche nach, und erfahrene Beobachter fühlen sich dann auch auf „Studipartys“ in Berlin oder Heidelberg, als seien sie in einer Provinzdisco im Sauerland.

24. Ramones: „Blitzkrieg Bop“ (1976)
Diesen Song kennt zwar auch kaum jemand, aber wenn er aus den Boxen klingt, kommen die sportlichen Typen auf die Tanzfläche und schütteln standesgemäß mit dem Kopf. Die coolen Juristen können hier ihre bei H&M gekauften Ramones-Shirts präsentieren (alternativ auch „Cash“) und mit ihrer Textkenntnis („Hey ho, let’s go“) überraschen. Für nachdenkliche Schlagerfreunde gibt es übrigens auch noch eine gelungene Coverversion von „Mrs. Greenbird“.

25. Avril Lavigne: „Sk8er Boi“ (2002)
Launiger Punkrocksong mit nachdenklicher Zeile: „He was a boy, she was a girl, can I make it any more obvious?“ Achtung, dieser Rock’n’Roll ist schmutzig! Nachdenkliche Punks, die auch Blink 182 für eine Kackband halten, flüchten – bloß weg von Spiegel Online.

DIE JURY

Roulator Krause
Als DJ Gehkakken (ruhrdeutsch für „hau ab“) hat der studierte Polyhistor eine feste Größe. Geheimtip: „Basket Case“ von Green Day: „Einer der wenigen Songs in meiner Playlist, die nur fast vollkommen ausgelutscht sind.“

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Dudelfunk III

Das neueste Lied, das mir in der Heavy Rotation von 1 Live schon nach dem ersten Hören auf den Sack gegangen ist, kommt überraschenderweise mal wieder aus Schweden, und nennt sich „I Follow Rivers“, obwohl ich hätte schwören können, dass irgendwie „Aa“ im Titel vorkommen müsste, zumal es dem Song besser gerecht werden würde. Denn auch hier handelt es sich um völlig triviale „Dance“-Musik, die man aus den späten 90er Jahren noch kennt*, als es zum Ideal der Popmusik wurde, dass drei Minuten Song mit einem konstant wiederholten Refrain gefüllt werden. Auch in diesem Fall hat man den Eindruck, 90 % des Songs bestünden ausschließlich aus den bis zum Erbrechen wiederholten Zeilen „I, I follow, I follow you, deep sea baby, I follow you/I, I follow, I follow you, dark boom honey, I follow you.“  Bei dieser übersprudelnden Kreativität der 26jährigen Sängerin Lykke Li musste ihr Berufsweg natürlich schon vorgegeben sein, denn wie sie selbst sagt:

Für mich war es immer klar, dass ich später etwas mir [sic] Kunst machen möchte. […] Ich habe überlegt ob es Mode oder Malerei sein könnte, bis ich mich für die Musik als Ausdrucksform entschied.**

Ihre reichen Eltern bezahlten der ausgebufften Künstlerin also prompt Musikinstrumente und was sie sonst noch alles zur Selbstverwirklichung benötigte, wie zum Beispiel Weltreisen, eine Wohnung in New York und natürlich ein eigenes Plattenlabel (!). Ohne sich also erst mühevoll hochspielen zu müssen, kam für Lykke Li schnell der große Erfolg bei jungen Leuten, die sich mit ihrer „artsy“ Herangehensweise identifizieren können (also eine Teilmenge der Kategorie „Hipster“), und natürlich bei Liebhabern belangloser Dudelmusik, weshalb sie auch schon bald einen Song für einen „Twilight“-Soundtrack aufnehmen durfte. Glücklicherweise gibt es für den anspruchsvolleren Musikfreund aber mittlerweile einen Hoffnungsschimmer, denn laut Wikipedia hat die mittelmäßig begabte Schwedin neuerdings eine neue Arbeitsstelle in dem „Beruf“ gefunden, der ihr eher zu liegen scheint, nämlich dem des Models. Dort wird nämlich das zelebriert, was Frau Li sich wohl schon immer als Ziel ihrer Selbstverwirklichung gewünscht hat: mit bedeutungsvoll aufgeblasener Oberflächlichkeit ins Rampenlicht zu kommen. Hauptsache, sie macht dann auch keine Musik mehr!

„I Follow Rivers“ ist nämlich derzeit der nervigste, weil repetitivste Radiosong, der in Deutschland regelmäßig über den Äther dudelt. Lykke füllt damit eine Lücke (haha), die uns schon vor drei Jahren mit „Jungle Drum“ (Emiliana Torrini) und vor zwei Jahren mit „Hollywood“ (Marina and the Diamonds) aufgezeigt wurde: Den Sommerhit, der von einem jungen, mainstream-hübschen One-Hit-Wonder gesungen wird, welchem zu Vermarktungszwecken irgendwie die Prädikate „indie“ und „alternative“ umgehängt wurden. Irgendwie ist es aber letztendlich doch nur triviale Popmusik.

Überzeugen Sie sich selbst:

* Ich weiß, dass es sich bei dem im Radio gespielten Lied um einen Remix handelt; das Original ist aber musikalisch nur unwesentlich anspruchsvoller.

** Das Zitat stammt von dieser Seite, auf die ich natürlich über den Wikipedia-Artikel gekommen bin.

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