Schlagwort-Archive: Atze Schröder

Unnötige Listen I

Nachdem Liam Neeson am Samstag bei „Wetten dass“ von „Atze Schröder“ erklärt bekam, dass Peter Maffay im englischsprachigen Raum am ehesten mit Bruce Springsteen vergleichbar sei, ist meine Vorliebe für Schubladendenken wieder neu aufgeblüht. Daher enthält die heutige unnötige Liste mal Bands, die in der Wikipedia unter der Bezeichnung „Alternative“ oder „Punk“ geführt werden. Ein Sternchen steht dabei übrigens für die deutlich glaubwürdigere englischsprachige Wikipedia.

  • The Bosshoss*
  • Frei.Wild*
  • Die Killerpilze*
  • Avril Lavigne*
  • Liquido*
  • Alanis Morissette*
  • Nena*
  • Nickelback
  • OneRepublic
  • Reamonn*
  • Revolverheld*
  • Silbermond*
  • Sunrise Avenue*
  • Tokio Hotel*

Dank mir gibt es nun endlich eine Orientierungshilfe für Freunde ehrlicher, handgemachter Rockmusik, die auch mal Bands abseits des Mainstreams kennenlernen wollen. Seit ich diese Liste als Grundlage für mein DJ-Set auf Indie-Partys genommen habe, und den Musikwunsch „spiel doch mal Deichkind“ ignoriere, habe ich sogar viel öfter frei!

PS: Wie an der Überschrift zu erkennen ist, waren alle bisher von mir zusammengestellten Listen nötig.

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Deutscher Comedypreis 2012

Vor ein paar Tagen fand mal wieder die jährliche Selbstbeweihräucherungsveranstaltung der deutschen „Comedy“-Industrie statt.  Und weil es immer wieder heißt, man solle doch wegschalten, wenn jemandem eine Sendung nicht gefalle, habe ich mir den deutschen „Comedy Preis“ (Eigenschreibweise) denn auch erst recht angekuckt, wo mein Interesse doch bereits von den recht wenigversprechenden Nominierungen geweckt worden war. Moderiert wurde der langgezogene Abend mal wieder vom ehemaligen Kabarettisten Dieter Nuhr, dessen konsequenter Verzicht auf Anspruch in Verbindung mit Selbstgefälligkeit möglicherweise auch zu seiner politischen Agenda als Linkenhasser passt. Sein Verdienst ist es immerhin, der „Scheibenwischer“-Nachfolgesendung in der ARD einen staatstragenden Anstrich verliehen zu haben. Dem entsprechend waren schon sämtliche Moderationen pointenarme Versuche, sich mit einem bis zwei Augenzwinkern mit dem Zeitgeschehen auseinanderzusetzen.

Dabei stimmte der Beginn der Veranstaltung zugegebenermaßen noch recht optimistisch: Anke Engelke und Bastian Pastewka eröffneten den Abend als „Wolfgang und Anneliese“ mit einem Schunkellied. Doch anstatt dabei wie üblich satirisch in alle Richtungen auszuteilen, beschränkten sich die beiden diesmal leider darauf, lediglich ein paar Nominierte singend vorzustellen, von einer gelungenen Spitze gegen Harald Schmidt mal abgesehen. Im Anschluss verschenkten sie weiteres Potential, indem sie für den Rest des Abends in ihren Rollen blieben und jedes Mal, wenn das Publikum im Bild war, ostentativ gelangweilt in die Kamera schauten, selbst wenn Anke Engelke direkt angesprochen wurde. Das ist in seiner Konsequenz zwar irgendwie eine Leistung, da die Preisverleihung mehrere Stunden dauerte, brachte aber vermutlich keinen einzigen zusätzlichen Lacher. Schade! Erstaunlich gut war dann die erste Laudatio des Abends, gehalten von Christoph Maria Herbst. Darin machte er sich über alle Nominierten der Kategorie „Beste Schauspielerin“ lustig, indem er auf ernste Art und Weise irgendeinen erfundenen Blödsinn über deren Privatleben erzählte. Wo sich andere „Comedians“ aber dreifach mit Verlegenheitslachern, unnötigen Erklärungen und Augenzwinkern abgesichert hätten, zog Herbst seine Rede überraschend trocken durch, und sorgte damit für einen der wenigen lustigen Momente des Abends.

Im Folgenden ging es jedoch konsequent bergab, denn „Paul Panzer“ betrat die Bühne und stellte auf gewohntem Niveau die Kategorie „Bester Komiker“ vor. Den entsprechenden Preis gewann übrigens Oliver Welke, der die Verkündung auch mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis nahm und sich in seiner Rede über die merkwürdige Stempelung zum Komiker mokierte. Der nächste Laudator war Tom Gerhardt, den ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr in solch einem Kontext gesehen hatte, und mir wurde auch schnell klar warum. Selbst wenn ich ihm hoch anrechne, die deutsche Filmkultur mit den Klassikern „Voll normaaal“ und „Ballermann 6“ bereichert zu haben, muss ich ihm leider dennoch raten, sich wieder von der Bühne zurückzuziehen. Auch Comedy-Nervensäge „Olaf Schubert“ durfte eine Rede halten, deren Humorpotential sich wie immer hauptsächlich auf seine Aussprache und sein physisches Auftreten beschränkte. Noch skurriler wurde es, als ausgerechnet der senderübergreifend deplazierte Rea Garvey eine Rede für Bülent Ceylan halten durfte. Letzterer durfte sich nämlich endlich über die Auszeichnung für die meisten verkauften Eintrittskarten freuen, wo die Kamera ihn doch ansonsten stets sichtlich verärgert darüber zeigte, dass ihm in anderen Kategorien trotz Nominierung kein Preis vergönnt war. Er hält sich möglicherweise für unterschätzt, dabei ist das eigentlich kaum möglich.

Mit Kaya Yanar, Michael Mittermeier, dem unvermeidlichen verkleideten Matze Knop, dem unlustigen Hundetrainer Martin Rütter sowie Ingo Appelt folgten noch weitere Tiefpunkte, und dann kam da noch ein tieferer Tiefpunkt: Ein Einspieler zum Tode Dirk Bachs, in dem Humorgrößen wie Elton oder „Mundstuhl“ in selbstgefilmten Einspielern ihre Anteilnahme zeigen. Auch wenn das alles gut gemeint war, hätten sich die Organisatoren der Preisverleihung wohl kaum weniger Mühe geben können. Und wo man sich eben noch wenigstens über die Abwesenheit Mario Barths freuen konnte, erschien dieser plötzlich doch noch in besagtem Einspieler, und als weiterer Fausthieb wurde dann auch noch sein weibliches Pendant „Cindy aus Marzahn“ als beste Komikerin ausgezeichnet. Man fragt sich wirklich, warum dieser Prototyp des Achtklässlerhumors mittlerweile sogar vom ZDF hofiert wird. Andererseits kann man in gewisser Weise doch schon wieder darüber lachen, wenn auch auf einer Metaebene.

Dann gab es da noch die Kategorie „Bester Newcomer“, die Jahr für Jahr zeigt, wie das Comedy-Geschäft hierzulande eigentlich wirklich funktioniert: Welcher Komiker wurde in diesem Jahr wohl trotz unterdurchschnittlicher Humorbegabung derart aggressiv von RTL ins Wochenendprogramm gepresst, mit dem Ziel, ihn möglichst schnell in die Mario-Barth-Liga aufsteigen zu lassen, dass es gar nicht mehr anders als abgekartet wirken kann, wenn er jetzt „zufällig“ auch noch den Newcomer-Preis zugeschoben bekommt? Das kann natürlich nur David Werker sein! Kein Wunder, dass er in seiner Dankesrede ausschließlich sein Management erwähnt, denn ohne lenkende Kräfte hinter den Kulissen hätte er es möglicherweise nicht einmal ins Fernsehen geschafft.

Kurz vor Schluss kamen dann noch Judith Richter und Alexander Schubert als Laudatoren. Keine Sorge, ich habe auch noch nie von denen gehört. Damit wusste Frau Richter aber zu Beginn der Rede gekonnt ironisch umzugehen: „Alle sehen uns an und denken sich: Das ist doch dieser Mann und diese Frau aus dieser Sketch-Comedy!“ Leider überschätzt sie dabei jedoch ihre eigene Prominenz. Es ist lohnenswert, sich diese Laudatio einmal selbst anzusehen, denn sie ist ein Beispiel dafür, wie hölzern ein offensichtlich nicht selbst verfasster aber auswendig gelernter und unnatürlich vorgetragener Dialog herüberkommen kann. Nach unten abgerundet wurde der Abend anschließend noch vom allzu omnipräsenten „Atze Schröder“, der den Ehrenpreis, also sozusagen den Preis für das Lebenswerk, an Gaby Köster verlieh. Unkenrufen zufolge könnte man mutmaßen, sie hätte diesen Preis ohne ihre Erkrankung niemals erhalten. So traurig ein derartiger Schicksalsschlag auch ist, so unangenehm würde mir persönlich als Comedian eine Auszeichnung zu einem solchen Zeitpunkt vorkommen, da man doch eigentlich lieber seine Leistungen ausgezeichnet wissen würde.

Bleibt am Ende nur noch zu sagen, dass man nicht alles Misslungene den anwesenden Komikern und Komikerinnen in die Schuhe schieben sollte, schließlich wurden im Abspann der Sendung explizit die im Hintergrund agierenden Autoren des Abends aufgelistet, darunter Micky Beisenherz und Ralf Husmann. Ich persönlich habe ja einen gewissen Verdacht, wer für die besseren und wer für die schlechteren Reden die Verantwortung tragen könnte. Doch ich werde mir Mühe geben, eher die angenehmen Momente der Verleihung zum Deutschen Comedypreis 2012 in Erinnerung zu behalten, und die anderen 95 % mit diesem Blog-Eintrag dem Vergessen zu übergeben.

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Die RTL Comedy-Woche

Am Freitag lief, wie im letzten Beitrag bereits erwähnt, die erste Folge des neuen RTL-Wochenrückblicks „Die RTL Comedy-Woche“ (eigentlich mit „Leer Zeichen“; „Eigenschreibweise: Die RTL Comedy Woche“, würde Wikipedia schreiben), und schon die Ankündigung machte deutlich, dass man hier mit der lustigsten Sendung aller Zeiten zu rechnen habe:

Wenn die besten Comedians Deutschlands aufeinandertreffen, dann ist der Lachanfall garantiert. Das Zwerchfell zwickt und kein Auge bleibt mehr trocken. So viel geballte Comedy gibt es nur selten im Deutschen [sic] TV.

Also gut. Wenn die das versprechen, dann wird da ja wohl auch was dran sein! Die Sendung beginnt denn also mit der theatralischen Vorstellung der Protagonisten, die in albernen Astronautenkostümen das etwas überdimensionierte Studio betreten. Dies sind der unvermeidliche „Atze Schröder“, Bülent Ceylan, der ehemalige Kabarettist und jetzt Comedian Dieter Nuhr, sowie „Paul Panzer“, dessen Darsteller schon erstaunlich lange damit Erfolg hat, Humor nahezu ausschließlich durch eine komische Aussprache zu erzeugen. Laut Vorankündigung wird in den nächsten Ausgaben auch Eckart von Hirschhausen dazustoßen, der zwar meines Erachtens ganz gut moderieren kann, als Komiker jedoch meist die gleichen Witze aus seinem Programm erzählt (man schaue sich sämtliche Fernsehauftritte der letzten Monate von ihm an und zähle dann nach, wie oft er seinen „Ich-suche-eine/n-Frau/Mann-mit-Humor“-Witz vorträgt). So weit, so gut; die Besetzung ist also qualitativ auch nicht viel besser oder schlechter als damals bei „7 Tage, 7 Köpfe“, der Sendung, die hier in den Medien oft als Vergleich herangezogen wurde. Der große Unterschied ist, dass bei der „Comedy-Woche“ dieselben Nasen sitzen, die man sowieso ständig in anderen RTL-Shows sieht, bei „7 Tage, 7 Köpfe“ hingegen außer einer Supernase eher unbekannte Gesichter von Rudi Carrell zusammengesucht worden waren.

Entsprechend überraschungsfrei lief deswegen der neue Sendungsversuch ab. „Atze Schröder“ legte mit seinen Witzen zum Thema „Promi-Väter“ die Niveau-Messlatte schon mal ganz nach unten. Haha, Sigmar Gabriel zählt als Frau, weil er so große Brüste hat. Haha, Ulrich Wickert ist ganz schön alt, der ist sogar schon abgelaufen. Und der obligatorische Reiner-Calmund-Witz: „Selbst die dickste Kerze hat irgendwo ’nen Docht.“ All das reißt mich zu einem „Facepalm“ hin und lässt mich persönlich vermuten, dass der Darsteller hinter dieser Kunstfigur entweder ein Zyniker sein muss, der bei seiner Selbstvermarktung alle Skrupel beiseitelegen kann, oder dass der Darsteller ähnlich intelligent sein muss wie der Dargestellte, da ihn ja andernfalls sämtliche intellektuelle Alarmglocken eigentlich daran gehintert haben müssten, solch eine Art von Witzen vorzutragen.

Bülent Ceylan verschwand irgendwann hinter der Bühne und kam als Pirat verkleidet wieder zurück, angekündigt von einem Einspieler, der ihn mit der „Fluch-der-Karibik“-Filmmusik als „Türk der Karibik“ vorstellte. Ich habe ehrlich gesagt den Witz daran nicht verstanden. War dort irgendein Wortspiel versteckt, das an mir vorbeigegangen ist, oder haben die tatsächlich einfach nur „Fluch“ durch „Türk“ ersetzt und gedacht, das sei schon eine Pointe? Als kleines Kind im Grundschulalter fand ich mal Superhelden ganz toll, also hängte ich beim Spielen eine Zeit lang „Super-“ vor meinen Vornamen (also „Superroulade“). Dies entspräche ungefähr der kreativen Humorleistung eines bezahlten Comedy-Autors für RTL.

Ergänzt wurde „Türk der Karibik“ dann vom säbelrasselnden Ceylan, der in die Kamera ruft: „Ich mach Hackfleisch aus dir…“ – na, wie geht der Gag wohl weiter? Kleiner Hinweis: Es ist der vorhersehbarste und unlustigste in dieser Situation vorstellbare Witz. Selbstverständlich: „…oder besser: Döner.“ Das Publikum applaudiert und jubelt dabei. Und es lacht richtig laut, obwohl bei den Kamerazooms auf einzelne Zuschauerreihen oft nur leicht schmunzelnde Höflichkeitsklatscher zu sehen sind. Es folgen noch weitere leicht vorhersehbare Witze wie „Depp“/„Johnny Depp“, die Piratenpartei (versteht ihr? Piraten!) und natürlich dieser nervige Standardsoziolekt für türkischstämmige Komiker, der schon bei „Was guckst du?“ alt war.

„Paul Panzer“ redete mal wieder mit seinem aufgesetzten Sprachfehler, und auch Dieter Nuhr machte das, was er halt immer so macht, und spielte den zurückhaltenden Intellektuellen, der ab und zu mit den anderen über die FDP herzog, aber erstaunlicherweise nicht über Linke. Höchstens natürlich über die Piratenpartei, wenn das zählt, oder gleich Nordkorea. Da ging es um den dort vor kurzem fehlgeschlagenen Raketentest, den er kommentierte mit: „Wir kennen das so’n bisschen vom Silvesterfeuerwerk: Man denkt, gleich knallt es richtig, und dann macht es: pfff!“ Im F.A.Z.-Fernsehblog steht treffend, dass dies die Gemeinsamkeit zwischen Nordkorea, Silvesterfeuerwerken und „RTL-Programminnovationen“ sei.

Oh, und David Werker war auch schon wieder dabei (unglaublich, dass einem die Medienpräsenz dieses Mannes bereits nach zwei Tagen völlig übertrieben vorkommen kann!), und zwar als Außenreporter beim Piratenpartei-Stammtisch irgendwo auf der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld, wo er anscheinend so schnell wieder rausgeschmissen wurde, dass er nicht einmal mehr einen vorbereiteten Witz in die Kamera sagen konnte.

Spontaneität oder Kreativität waren für mich in der gesamten Sendung kaum zu erkennen, auch das ist eine Gemeinsamkeit mit „7 Tage, 7 Köpfe“. Die Witze wirkten hundertprozentig durchgeplant, anscheinend von einem Autorenteam mitverfasst, genau wie die Dialoge. Das Furchtbarste ist ja, dass die hier auftretenden Komiker auch noch viel Geld dafür bekommen, dass sie genau das tun, was man im Fernsehen sehen konnte. Ich bin insgesamt also eher skeptisch, ob das eine neue Lieblingssendung für mich werden könnte. Zum Abschluss noch ein Zitat aus der Programmankündigung: „Achtung: Vor dieser lustigen Truppe ist kein Thema sicher!“ Ich schlage als Thema die Piratenpartei vor, darüber gab es nämlich bisher zu wenig.

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Es kann nur „E1NEN“ geben

Oliver Geissen hat Glück: Eine seiner Sendungen hat es in eine zweite Staffel geschafft! Seitdem er seine Polit-Talkshow aufgegeben hat, erreicht er eigentlich nur noch mit seiner Chartshow akzeptable Marktanteile. Showideen wie „Surprise, Surprise!“, „Die Show der Woche“, „Guiness World Records – Die größten Weltrekorde“ oder „18 – Die beste Zeit meines Lebens“ waren anscheinend zu originell und zu sehr ihrer Zeit voraus, um vom RTL-Publikum akzeptiert zu werden. Die Zukunft für seinen neuerlichen Versuch namens „Kinder fragen – Comedians antworten“ (vielleicht liegt es auch an den ganzen Gedankenstrichen?) scheint auch nicht so rosig auszusehen. So langsam muss es doch also mal klappen mit den Quoten, also darf Oliver Geissen nach zwei (an mir leider vorübergegangenen) Pilotsendungen im letzten Jahr jetzt noch mal ran mit dem pfiffig gewählten Showtitel „Es kann nur E1NEN geben“; einem klassischen Fall überambitionierter Logodesigner, die sich beim Fertigstellen ihres Entwurfs gedacht haben: „Mann, sind wir pfiffig!“ Als Strafe dafür würde ich die Sendung immer „Es kann nur e-eins-nen geben“ aussprechen.

Die Sendung läuft nach dem folgenden Prinzip ab: Es werden Prominente eingeladen, denen Kandidaten vorgestellt werden, von denen pro Runde genau einer eine bestimmte besondere Eigenschaft hat. Allerdings behaupten alle dieser Kandidaten, diese Eigenschaft zu besitzen, und die Prominenten müssen durch geschicktes Fragestellen herauszufinden, welcher davon als einziger nicht lügt. Eigentlich ein ganz originelles Konzept, auch wenn es mich ein wenig an eine andere Show erinnert hat, aber nur ganz marginal. Im SWR gibt es nämlich eine Sendung namens „Sag die Wahrheit“, welche folgendermaßen abläuft: Es werden Prominente eingeladen, denen Kandidaten vorgestellt werden, von denen pro Runde genau einer eine bestimmte besondere Eigenschaft hat. Allerdings behaupten alle dieser Kandidaten, diese Eigenschaft zu besitzen, und die Prominenten müssen durch geschicktes Fragestellen herauszufinden, welcher davon als einziger nicht lügt.

„Es kann nur e-eins-nen geben“ hat jedoch zwei Teams, die gegeneinander antreten. In der gestrigen Folge (ich würde zwar noch „heute“ sagen, aber es ist ja jetzt nach 0 Uhr) bestand ein Team aus Andrea Kiewel und Joachim Llambi, das andere aus „Atze Schröder“ und David Werker. Zwei von diesen „Prominenten“ kannte ich bis vor kurzem gar nicht: Joachim Llambi ist eigentlich Jurymitglied bei der Tanzsendung „Let’s Dance“ (natürlich auch bei RTL, man gibt bewährte Gesichter ja gerne senderintern weiter) und dort dafür bekannt, immer die schlechtesten Bewertungen abzugeben und dabei so unfreundlich wie möglich zu kucken. So wie dieser Opa bei „Die Promi-Kocharena“. Im Laufe der letzten Jahre wurde er von RTL so erfolgreich aufgebaut, dass er nun auch als prominenter Gast in anderen Sendungen genutzt werden kann, so wie in dieser hier. Ein RTL-Neuzugang hingegen ist David Werker, der bislang hauptsächlich in kleinen Comedy- und Kabarettsendungen im Öffentlich-Rechtlichen aufgetreten war, und aufgrund seines senderkompatiblen Humors wohl nun von RTL engagiert wurde, um dort ebenso aufgebaut zu werden. „Zufällig“ wurde dort vorgestern Abend auch sein Bühnenprogramm ausgestrahlt, was für einen unbekannten Komiker ungewöhnlich ist. Was lässt ihn denn so geeignet für RTL erscheinen? Er bedient ein Klischee, und zwar diesmal das des faulen Studenten. Das ist derzeit tatsächlich eine „Marktlücke“ auf dem deutschen Comedy-Markt, denn bisher gibt es als bewährte Figuren nur den Klassenclown (Oliver Pocher), den Mann mit Sprachfehler („Paul Panzer“), den „anders Begabten“ („Maddin“ Schneider), den Ossi („Olaf Schubert“), den Türken (Bülent Ceylan, gleichzeitig Metal-Fan), den toilettenputzenden Afrodeutschen (Dave Davis), den Berliner Hipster (Kurt Krömer) und eine Menge Proleten (vor allem bei RTL). David Werker ist nun der Richtige für diejenigen, die gerne über triviale Stereotypen ihrer eigenen Gesellschaftsschicht lachen wollen, dabei aber trotzdem ein Distinktionsbedürfnis gegenüber Mario Barths Zielgruppe haben. Denn dieser „Kennt-ihr-das“-Humor ist eigentlich bei beiden ähnlich; man soll sich selbst oder Bekannte darin wiedererkennen, ohne jedoch unnötig zum Nachdenken angeregt zu werden: Stereotypen werden also gefestigt statt dekonstruiert, wie es ein guter Kabarettist vielleicht tun würde.

Jetzt schweife ich aber ab. Die Sendung „Es kann nur 31n3n geben“ verlief jedenfalls so unspektakulär wie man es erwartet: Die Kandidaten waren zwar sendertypisch möglichst auf möglichst spektakulär gecastet, aber ich konnte es mir durchaus ganz gut ankucken, ohne gleich einen starken Drang zum Umschalten zu bekommen. (Anders hingegen: Die Premiere von „Die RTL Comedy-Woche“, vorgestern.) Oliver Geissen ist mir trotzdem nicht besonders sympathisch, denn er ist so lustig, dass er eigentlich auch eine Comedyshow auf seinem Sender machen könnte: „Der Moderator hat einen Vokuhila“, sagte der Mann, der Atze Schröder darstellt, in der gestrigen Sendung, und der Moderator antwortete: „Aber nicht auf dem Kopf!“ Haha, wahrscheinlich ein reflexartiger Rückgriff auf den Intimbereich, wie er bei Comedians wie Oliver Pocher permanent im Arbeitsspeicher ist, um aus unverfänglichen Andeutungen ohne große Anstrengung mal schnell einen Lacher herauszuholen. Doch hätte er genauer nachgedacht, dann wäre ihm aufgefallen, dass dieser Konter eigentlich nach hinten losgegangen war. Da kucke ich nächstes Mal doch lieber „Sag die Wahrheit“, denn da ist wenigstens Mike Krüger dabei (haha), und einer dieser völlig durchschnittlichen Moderatoren à la Markus Lanz oder Jörg Pilawa, von denen man meistens nicht mal den Namen kennt, nur etwas älter. Hiermit endet mein Beitrag auch schon, ganz ohne Pointe, passend zum Gegenstand.

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