Die schlechtesten Comedy-Programmtitel

Passend zum Comedypreis 2013 (beziehungsweise mit ein paar Wochen Verspätung) habe ich mich mal wieder in den Comedy-Abgründen herumgetrieben und bin auf derart übersprudelnde Originalität gestoßen, dass ich sie unbedingt teilen möchte.

15. „Erwachsen werde ich nächste Woche!!“ (Mirja Boes, 2009)
Ein Titel für ein Comedyprogramm sollte eigentlich entweder lustig sein, originell, ironisch oder im besten Falle geistreich. Wenn einem nichts dergleichen einfällt, kann man auch irgendeinen inhaltlichen Bezug nehmen. Dieser Titel hier ist allerdings ein Paradebeispiel für einen unfassbar langweiligen Titel, den sich auch ein Zwölfjähriger hätte ausdenken können. Dabei sollte man doch zumindest über das Aushängeschild eines Programms ein bisschen länger als zwei Minuten nachdenken, damit man nicht wie in diesem Falle einfach an einem Plakat vorbei geht und denkt: „Aha.“

14. „Hart Backbord – Noch ist die Welt zu retten“ (Paul Panzer, 2012)
Was soll einem das sagen? Streng genommen handelt es sich hier um Titel und Untertitel, die allerdings weder etwas miteinander zu tun haben noch Interesse wecken. Was schade ist, weil einem dabei so viel Spitzenhumor entginge.

13. „Wilde Kreatürken“ (Bülent Ceylan, 2011)
Was für ein Wortspiel! Die immer nach den gleichen Strickmustern ablaufende sogenannte „Ethno-Comedy“ scheint auch über zehn Jahre nach Kaya Yanars Erscheinen auf der Bildfläche noch nichts von ihrem ohnehin kaum vorhandenen Reiz verloren zu haben.

12. „Nicht jeder Prinz kommt uff’m Pferd“ (Cindy aus Marzahn, 2009)
Das habe ich mir gedacht, Prince Charles kommt zum Beispiel meistens mit dem Auto.

11. „Endlich Freizeit – Was für’n Stress!“ (Paul Panzer, 2010)
Man würde hinter dem „Endlich Freizeit“ normalerweise einen originellen Zusatz erwarten, aber natürlich nicht bei einem Komiker, dessen Konzept ausschließlich darauf beruht, Wörter falsch auszusprechen, und der entsprechend talentiert im Formulieren von Pointen ist.

10. „Döner for one – mit alles“ (Bülent Ceylan, 2002)
Ahahaha! Muss denn bei jedem türkischstämmigen Comedian alles mit den naheliegendsten Anspielungen vollgekleistert sein? Und was sollen eigentlich ständig die ganzen Bindestriche, die dann letztendlich doch nichts zur Verbesserung beitragen?

9. „Schizophren – Ich wollte ’ne Prinzessin sein“ (Cindy aus Marzahn, 2007)
Herzlichen Glückwunsch! Und?

8. „Morgen mach ich Schluss! … Wahrscheinlich“ (Mirja Boes, 2007)
Herzlichen Glückwunsch! Und?

7. „Pink is Bjutiful“ (Cindy aus Marzahn, 2013)
Ein Titel so originell wie ein Buch namens „Sänk ju vor träwweling wis Deutsche Bahn“: In den 80er Jahren hätte man eventuell sogar darüber gelacht, der aufgeklärte Mensch von heute durchschaut aber natürlich, dass dies nur ein typischer Verlegenheitstitel einer „Künstlerin“ (im allerweitesten Sinne, no pun intended) ist, der kein lustiger Titel eingefallen ist.

6. „Wenn Sie lachen, ist es Oschmann“ (Ingo Oschmann, 2005)
Kennt noch jemand Ingo Oschmann? Der Typ hat mal bei „Star Search“ in der Kategorie „Comedy“ gewonnen, obwohl er eigentlich gar nich mal so lustig ist. Zur Strafe musste Sat 1 dann auch noch eine eigene Reihe mit ihm produzieren, und die hieß „Wenn Sie lachen, ist es Oschmann“. Dabei war der Titel eigentlich schon das Lustigste an der ganzen Geschichte, haha.

5. „Kill Bernd – aber vorher bringt er noch den Müll runter“ (Lisa Feller, 2010)
Lisa Feller ist eine Art dauergrinsender weiblicher Mario Barth, und dieser Titel hier ist wirklich ein Meisterwerk. Ob vor dem Bindestrich oder dahinter: Jeder Bestandteil allein ist schon den Eintrittspreis wert.

1.–4. „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“, „Männer sind primitiv, aber glücklich!“, „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“, „Männer sind schuld, sagen die Frauen!“ (Mario Barth, 2003–2012)
(Ohne Worte)

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Tri tra trullala

Wer ist wieder da? Casperle! Der Mann, der nach Cro und Oli P. die poppigste Rapmusik in Deutschland macht, bringt demnächst den „lang ersehnten“ Nachfolger seines Nummer-Eins-Albums „XOXO“ heraus. Selbstverständlich reißen sich sofort alle Dudelfunksender um die Vorab-Single, weshalb ebenso selbstverständlich meine Meinung gefragt ist.

Zunächst einmal scheint sich der Mädchenschwarm und Wahl-Berliner das ehrgeizige Ziel gesetzt zu haben, das hässlichste Albencover des Jahres auf den Markt zu bringen, und dabei ausnahmsweise durchaus gute Arbeit geleistet:

hinterlader

Da das Cover so aufgemacht ist, dass der Betrachter denken soll, es stecke eine tiefere Bedeutung dahinter, will ich nach anfänglichem Lachen auch eine passende Interpretation des Gezeigten mitliefern: Wenn man die Musik von Casper hört, oszilliert der eigene Gesichtsausdruck zwischen den beiden auf dem Bild gezeigten Zuständen.

Auch das neue Video „Im Ascheregen“ wurde so produziert, dass sich die Hauptzielgruppe (Jugendliche im Übergang vom Emo zum Hipster, die der Coolness wegen auch Rap und Elektro hören, wenn auch jeweils die weichgespülteste Variante) denkt, sie sehe gerade etwas voll tiefgründiges Künstlerisches:

Was soll man dazu sagen: „Im Aschenbecher“ klingt wie eine Mischung aus Safri Duo und dem Gesang von Dieter Bohlen bei Blue System. Dazu hopst ein gesichtsbehaarter tätowierter Vogel im Wald herum und gestikuliert in die Kamera, als müsste er den Text simultan in Gebärdensprache übersetzen, und zwar für eine in 50 Metern Entfernung stehende Person. Der Text an sich fällt zwar nicht gerade durch sinnvolle und verständliche Aussagen auf, lässt sich bei Bedarf jedoch gut in kleinste Bestandteile zerlegen und per iPhone an Twitter schicken, um sich mit rebellisch klingenden Zeilen in einem gewissen Indie-Glanz zu sonnen. Hey! Hey! Hey! Hey! Der herbste Rückschlag ist allerdings, dass Casper es sich nicht nehmen lässt, die altbekannte Heizöl-Benzin-Zeile von Slime in seinen Text zu integrieren, wobei ich nicht ausschließen würde, dass er sie für eine Kettcar-Zeile („48 Stunden“) gehalten haben könnte. Da würde ich mein Radio auch am liebsten untergehen lassen.

Die Video-Darsteller in den weißen Nachthemden kamen sich hoffentlich bei den Dreharbeiten genau so albern vor, wie es im Endeffekt wirkt: „Für 50 Euro muss ich in diesem dämlichen Aufzug im Tümpel stehen, die Hände nach oben strecken und dabei versuchen, nicht zu lachen. Aber in der fertig geschnittenen Fassung wird das Ganze bestimmt irgendwie seinen Sinn haben!“ – Leider nein! Das Feuilleton der Kommentarschreiber ist sich allerdings jetzt schon einig: „Casper ist die Perfektion in Person. Wahnsinn!♥“ – „hamma geil !! <3“ – „einfach nur liebe.“ – „Ich freu mich so aufs Album ahhhhh <3 so toll Caaaaas *o*“ – „Ein Drittel Heizöl, 2 Drittel Benzin – ist das nicht aus ’nem Betontod Text? :))“ – „Casper is Gott!“ – „Am 27.9.2013 wird sich uns eine neue Ära der Musik erwarten.“

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Küchen-Punks

Mit dem Punk-Begriff wird viel Schindluder getrieben. So manchen Schwachsinn wie „Business-Punk“ oder „Golf-Punk“ mussten wir schon über uns ergehen lassen. Immer wieder finden sich in der Elite der BWLer Koryphäen, die den Klang des Wortes Punk irgendwie toll vermarktbar finden, ansonsten aber eigentlich genau das Gegenteil von Punk sind.

Den im Folgenden behandelten Personen gestehe ich immerhin zu, den Punk-Begriff nicht auf gleiche Weise zu besudeln, sonden sich lediglich ein wenig zum Affen zu machen. Lassen Sie bitte diese Szene aus einer typischen Doku-Soap auf RTL II auf sich wirken, auf die ich letzte Woche zufällig gestoßen bin:

Moep moep

„Brüllen, zertrümmern und weg“: Screenshot vom RTL-II-Programm am 25. Juli 2013.

Der Mann mit dem linksextremen Pulli wird nicht etwa von einem Team der RTL II News dabei gefilmt, wie er irgendwo randaliert und alles kaputt macht, sondern er arbeitet für RTL II. Es handelt sich um Ole Plogstedt, gelernter Koch und Mitbegründer der „RGF“ („Rote Gourmet Fraktion“), einer Firma für „Punkrock-Catering“ (Referenzen: Die Toten Hosen, Jan Delay, Rammstein, Rosenstolz, Element of Crime, Earth Wind and Fire, Die Fantastischen Vier, Nightwish). In der Sendung „Die Kochprofis“ testet er auf eben genanntem Sender Restaurants.

Man kennt ja den üblichen Ablauf von Sendung dieser Art: Drei besonders stark von sich überzeugte Köche besuchen ein schlecht laufendes Restaurant und finden das Essen dort grundsätzlich scheiße (und wenn es nicht scheiße ist, ist es trotzdem scheiße, weil es „nichts Besonderes“ ist). Ein Wort, das Fernsehköche übrigens in diesem Zusammenhang gerne verwenden, ist „furztrocken“, was jedoch einerseits widerlich klingt, und andererseits sachlich falsch ist, da in einem Furz durchaus ein gewisser Anteil Sprühwurst mit drin sein kann.

So weit, so unspektakulär; das Ganze dient eigentlich auch nur als Aufhänger für die richtige Pointe: Noch punkiger ist nämlich sein Kollege Stefan Marquard, der findet: „Cooking is like Punkrock!“ Also dass Kochen wahrscheinlich hauptsächlich aus Saufen besteht, oder „Brüllen, Zertrümmern und weg“. Dazu fiel mir dann nämlich neulich noch ein, dass ich doch vor ein paar Jahren am Bahnhof sehr lachen musste:

Moep moep

„100 % Küchen-Punk“: Fotografiert 2008 in einem namhaften Hauptbahnhof in Nordrhein-Westfalen.

Hier zeigt sich dann doch noch das Vermarktungspotential echter Punks. Das Fazit entfällt, weil ich an dieser Stelle keine Lust mehr habe. Ich bin jetzt für die nächsten Stunden erst mal 100 % Schlafzimmer-Punk.

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Deutschland braucht Deutschpunk II

ZSK, die Green Day des deutschen Punkrocks, haben sich bekanntlich vor Kurzem wiedervereinigt und mittlerweile auch eine neue Platte herausgebracht. Ich konnte es mir als bekennender Fan nicht nehmen lassen, hier etwas darüber zu schreiben. Auch wenn es sich streng genommen natürlich nicht um Deutschpunk, sondern um Skatepunk handelt!

Schwanz für die Sache

Zunächst fällt dem Punkrocker natürlich das romantische Covermotiv auf. Es sieht so aus, als wären ZSK nie weggewesen, sodass sich alle Befürchtungen, die Band könnte zwischenzeitlich erwachsen geworden sein, schnell in Wohlgefallen auflösen. Gleich der erste Song klingt wie die Vertonung einer Antifa-Demo und nimmt sich dafür den bekannten linken Slogan alerta antifascista zur Grundlage. Als wäre das aber noch nicht klischeebeladen genug, spricht der Sänger auch noch das Wort alerta penetrant „Aleata“ aus. So ungefähr wie ein Ruhrgebiets-Proll den Lehrter Bahnhof in der Bundeshauptstadt Berlin nennen würde, wo sich die ursprünglich Göttinger Band aus taktischen Gründen bekanntlich niedergelassen hat. Soundtechnisch fällt direkt der prollige Metal-Einschlag auf, mit der Kombination aus diesem bolzenden Schlagzeug und unnötig tiefem Gitarren-Sound, die man auch aus Songs wie „Glück auf“ von Betontod kennt.

Was haben ZSK 2013 textlich noch so zu bieten? Zeilen, die jeden rebellischen 16jährigen sofort ansprechen, wie zum Beispiel: „Ich gehe niemals ohne Feuerwerk raus, ich mag es wenn es knallt und raucht. Ich stehe auf das Gegenteil von gefahrlos: Kapuze auf, in beiden Händen Bengalos.“ Ansonsten in fast jedem Song die Erzeugung eines diffusen Kollektivbewusstseins durch die Anhäufung von Personalpronomen der ersten Person Plural („wir“, „uns“). Dazu gesellen sich Medienkritik auf Anfängerniveau („Was wollt ihr hören?“), englischsprachige Songs mit provinzdeutschem Akzent (das Pflichtprogramm für jede Schülerband), Fließbandkritik an Spießern („Soll das alles gewesen sein?“) und ostentative Untermauerung der eigenen Credibility („Viel Glück“). Letzteres versuchen ZSK auch noch auf die ironische Art („Punkverrat“, mit Gastauftritt von Bela B.), was aber leider nicht immer gleichbedeutend mit gut oder originell ist.

Garniert wird das Ganze dann noch mit zusammengeklauten Zitaten anderer Punkbands wie But Alive („Bis jetzt ging alles gut“), Die Goldenen Zitronen (Textzeile in „Lichterketten“) oder Slime (Textzeile in „Bis jetzt ging alles gut“). Von den meisten dieser Vorbilder sind ZSK zwar meilenweit entfernt, aber bei Slime zeigt sich eine erstaunliche Parallele:

Aleata Antifaschista!

„Foto: Joe Dilworth – Nutzung für Promozwecke honorarfrei bei Nennung des Fotografen.“ (Selbstverständlich ist dieser Artikel als Promo zu verstehen!)

Jedoch hat Dirk von Slime eindeutig die schöneren Schuhe:

„Slime“ 2012

„Foto: Mirja Nicolussi“

Zusammenfassend lasse ich am Schluss nur noch eine Amazon-Rezension sprechen: „Das zweite Album ‚From Protest to Resistance‘ war und ist das wahrscheinlich beste Punkrock Album [sic] aller Zeiten. Ich glaube nicht das [sic] irgendeine Band jemals wieder ein besseres Album machen wird. ‚Herz für die Sache‘ kommt diesem zweiten Album sehr nahe.“

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Die beste Schlagerwerbung

Wie ich bereits anklingen lassen habe, schätze ich die Dauerwerbesendungen der Firma Shop24Direct sehr, die man desöfteren im Nachtprogramm zweitklassiger Privatsender sehen kann. Da das Œuvre dieses „Labels“ teilweise wie eine Kuriositätensammlung anmutet, habe ich hier zu Unterhaltungszwecken die meiner Meinung nach „besten“ Werbespots herausgesucht. Viel Spaß!

Los geht es mit der Kelly Family, mit unvergessenen Hits wie „Hiroshima, I’m Sorry“ (7:54), „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ (13:05), „Old MacDonald“ (2:50) und „Ain’t gonna pee-pee my bed tonight“ (4:01):

Ernst Mosch, direkt aus dem Moschpit in die Volksmusik-Hitparaden:

Die Kirmesmusikanten:
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Deutschland braucht Deutschpunk I

In dieser neuen Rubrik möchte ich mich den Heldentaten unseres Lieblingsgenres widmen. Inspiriert von meinem letzten Eintrag machen die ergrauten Legenden von Normahl den Anfang, deren Platten eigentlich schon in den 80ern nur Durchschnitt waren, die sich aber bis heute immer noch erstaunlich „treu geblieben“ sind. Ihr letztes Studioalbum stammt aus dem Jahre 2005, heißt „Voll Assi“ und beeindruckt schon mit folgendem Cover:

Ton-Assis

Man beachte das „D-Punk“-Qualitätssiegel unten rechts. Das ist immerhin nicht zu viel versprochen, was man ihnen zugute halten kann. Zwischen Uffta-Uffta gesellen sich allerdings noch Elemente von Proll-Rock’n’Roll, Schlager und Stadionrock, was an sich eher nicht so vielversprechend klingt, sofern es sich nicht um eine Parodie handelt. Dem Auftreten der Band nach außen nach zu beurteilen ist das nicht der Fall, also gehen wir mal davon aus, dass Normahl uns mit folgenden tiefsinnigen Zeilen ihr Weltbild ganz ernsthaft näherbringen wollen:

Friss und stirb, Scheiß Staat! Friss und stirb, Scheiß Staat! Friss und stirb, Scheiß Bullenstaat!

Eigentlich bist du ja quasi noch viel schlimmer als die Stasi, kurz gesagt du bist die neue DDR!

Drum scheiß ich auf Gelaber, auf scheinheiliges Gequatsch. Vielen Dank, auf Wiedersehen, fuck you very much!

Ich wäre gern Politiker mit tausend Nebenjobs, würd meinen Tag verplempern in Kneipen und Sexshops. Würd alles was ich hab an einem Tag versaufen und müsst mit meinem Minijob nicht mehr beim Aldi kaufen.

Wir wollen lieber Schnaps und Bier, auf Arbeitsplätze scheißen wir! Wir wollen lieber Schnaps und Bier, leck mich am Arsch, wir scheißen auf Hartz IV!

Meine Freundin wartet schon seit Stunden auf meinen Besuch. Ich geb es zu, es lastet auf mir wie ein böser Fluch. Denn manchmal kommt man einfach nicht an einer Kneipe vorbei, und dann bleibt es leider auch nicht bei den berühmten zwei. Denn im ersten, zweiten, dritten Buch – ich weiß es nicht genau – steht drin: Erst kommt die Kneipe, und dann kommt erst die Frau, denn gegen Wein und Tabaksdunst ist all Weiberlist umsonst.

Ob Meter oder Zoll, ich krieg heut einfach den Kanal nicht voll.

Eins, zwei, drei, vier: 32 Kisten Bier. Fünf, sechs, sieben, acht: heute wird Krawall gemacht. Ding Dong, Punk Rock Song, Gruppensex im Waschsalon. Gangbang, Sexy Thing, überall wo ich rumhäng.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass alle Bandmitglieder jenseits der 40 sein dürften, schlägt man entweder die Hände überm Kopf zusammen oder lacht aus Verlegenheit. So wie ein junger, „cooler“ evangelischer Pfarrer, der zum ersten Mal ein Kassierer-Album vorgespielt bekommt und kein Spielverderber sein will. Von der satirischen Rafinesse dieser Gruppe sind Normahl allerdings so weit entfernt wie Green Day von Punkrock, also bleibt selbst bei gutem Willen nichts Positives mehr übrig, das man über „Voll Assi“ noch schreiben könnte. Konsequenterweise müsste die Band ihr Album eigentlich auf Kassette herausgebracht haben, da die augenscheinliche Zielgruppe der Bahnhofs-Penner-Punks mit diesem Medium am besten zurechtkommen dürfte. Und wo die Kassierer noch „Asis mit Niwoh“ (Zeltinger) verkörpern, sind Normahl so etwas wie Kamera-Assis oder besser gesagt Ton-Assis, die dem Begriff Deutschpunk den Ruf verleihen, den er für viele seit langem inne hat.

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Dr. Best empfiehlt

Wer kennt nicht diese Grabbeltische im Drogeriemarkt, aus denen sich Oma und Opa kurz vor der Kasse noch spontan eine Flippers- oder Kastelruther-Spatzen-CD mit den „größten Hits“ herausnehmen können, weil sie ja seit neuestem auch ein Autoradio mit CD-Funktion haben. Oder aber auch diese Werbespots nachts auf Super RTL, in denen Schleimgesichter mit übermäßig geheuchelter Freundlichkeit 10-CD-Boxen von Gruppen wie den „Amigos“ oder „Captain Cook und seine singenden Saxophone“ anpreisen. Mangels musikalischer Qualität muss dabei oft sogar noch der Verweis auf die „Top-Tonqualität“ der Aufnahmen als Verkaufsargument herhalten. Der Punkrock-Bereich ist dabei bislang dankbarerweise eher unterrepräsentiert gewesen, doch ich sah neulich zufällig einen Ausblick in die Zukunft des Genres:

Voll Normahl

Wahnsinn! Endlich gibt es große Welthits wie „Fraggles“ oder „Biervampir“ in Top-Klang und Super-Spielzeit! Das macht sich doch gut im Portfolio des Labels: die großen Normahl zwischen anderen Legenden wie den Bee Gees und den Puhdys. Und falls man die großen Heldentaten dieser von Iroträgern und Feuilleton gleichermaßen verehrten Väter des Deutschpunks noch einmal Paroli laufen lassen wollte, liest man sich einfach die „Star-Bio“ durch, über die ich mangels Besitz der CD hier leider nichts sagen kann.

Ich würde mir jedenfalls nichts lieber wünschen als eine Teleshopping-Werbung für diese Compilation auf Super RTL! Natürlich gesprochen von Allround-Talent Ekki Göpelt: „Punk – das ist Freiheit, Rebellion und viel Alkohol. Und ganz vorne dabei waren schon seit Anfangstagen Normahl! Die Liebe zur Musik und der Wunsch, Menschen eine Freude zu machen, haben sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Punkbands gemacht. Wir haben 60 ihrer größten Hits auf einer Kollektion gesammelt, darunter Klassiker wie ‚Bullenschweine‘, ‚Helmut Kohl halt’s Maul‘ oder ‚Pflasterstein flieg‘. Und wenn Sie jetzt sofort anrufen und gleich bestellen, erhalten Sie das aktuelle Album ‚Voll Assi‘ [sic] gratis dazu!“ Manchmal könnte eine Indizierung oder Ähnliches aber auch sowas wie eine Erlösung sein.

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