Archiv der Kategorie: Werbung

Die beste Schlagerwerbung

Wie ich bereits anklingen lassen habe, schätze ich die Dauerwerbesendungen der Firma Shop24Direct sehr, die man desöfteren im Nachtprogramm zweitklassiger Privatsender sehen kann. Da das Œuvre dieses „Labels“ teilweise wie eine Kuriositätensammlung anmutet, habe ich hier zu Unterhaltungszwecken die meiner Meinung nach „besten“ Werbespots herausgesucht. Viel Spaß!

Los geht es mit der Kelly Family, mit unvergessenen Hits wie „Hiroshima, I’m Sorry“ (7:54), „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ (13:05), „Old MacDonald“ (2:50) und „Ain’t gonna pee-pee my bed tonight“ (4:01):

Ernst Mosch, direkt aus dem Moschpit in die Volksmusik-Hitparaden:

Die Kirmesmusikanten:
Weiter geht’s hier.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Fernsehen, Musik, Werbung

Esoterik im Teleshopping

Wer im Fernsehen gerne Menschen in Extremsituationen sieht, kommt an Teleshoppingsendern nicht vorbei. Da preisen die sogenannten Moderatoren kitschige Bastelsets an oder erklären der kaum technikaffinen Zielgruppe, dass man mit einem Laptop auch ins Internet gehen kann. Neulich habe ich aber wieder einen ganz besonderen Moment von „wat is dat denn?“ erlebt, als in einer Sendung für Haushaltsutensilien der „Cleanergizer“ präsentiert wurde, ein Plastikklötzchen, das herkömmliches Leitungswasser „vitalisiert“ und den Benutzer damit „bares Geld“ sparen lässt.

Den „Cleanergizer“ gibt es in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen: zum Putzen, zum Trinken und für Garten und Haustiere. Und er wirkt, wenn man der Präsentation (siehe Video auf der Produktseite) glaubt, wahre Wunder: Man kann mit dem „vitalisierten Wasser“ alles ohne Putz- und Spülmittel sauber kriegen! Aber nicht nur das: Das „vitalisierte Wasser“ schmeckt auch noch besser und ist gesund, weil es basischer als normales Leitungswasser ist! Und außerdem bleiben Blumen länger frisch, in Teichen bilden sich weniger Algen, den Haustieren geht es besser, und wahrscheinlich wird das Wetter auch schlagartig schöner.

Der „Cleanergizer“ besteht laut Produktbeschreibung „zu 100 % aus Polyamid PA 6“, also einem nylonähnlichen Kunststoff, der chemisch gesehen eigentlich zu gar nichts zu gebrauchen ist, außer um daraus Fasern oder Ähnliches herzustellen. Wie soll dieses Ding also zu derartigen Leistungen fähig sein? Das fragt sich der mündige Konsument, der sich mit der Angabe „in Deutschland hergestellt und in Österreich vitalisiert“ nicht zufrieden geben will.

Die offizielle Produktseite ist leider „aus Gründen technischer Revision derzeit nicht verfügbar“, aber zum Glück gibt es ja das Internet Archive, das einen Einblick auf die Seite von Mitte 2012 gewährt. Darauf finden sich erste Indizien für die Funktionsweise wieder: „Energetisiertes Wasser verfügt über aktiven Wasserstoff und kann Helfen [sic], den Kalziumhaushalt des Körpers auszugleichen und Ammoniak und Histamine zu neutralisieren.“ Aktiver Wasserstoff, wat is dat denn schon wieder? Man könnte da an naszierenden Wasserstoff denken, oder an atomaren. Gegen ersteren spricht, dass Polyamid 6 mit Wasser sozusagen überhaupt nichts macht, außer sich ein wenig damit vollzusaugen. Gegen letzteren spricht, dass Polyamid 6 das Wasser nicht auf „einige tausend Grad“ erhitzen kann, und auch keine „elektrische Durchladung bei hoher Stromdichte und niedrigem Druck, Bestrahlung mit dem ultravioletten Licht eines Quecksilberbogens, Bombardierung mit Elektronen im 10–20 eV-Energiebereich, Mik­ro­wel­len­be­strah­lung“ bewirken kann (Holleman-Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 2007, S. 271). Oder hat es vielleicht etwas mit dem Spin zu tun? Darüber kann die Seite leider nichts sagen, sonst könnte es ja womöglich noch jemand überprüfen. Google findet zu „aktivem Wasserstoff“ jedenfalls nur esoterischen Quatsch. Um eine Base wie Ammoniak zu neutralisieren, empfiehlt der Chemieunterricht der achten Klasse übrigens, eine Säure zu verwenden, haha. Es wird aber noch hanebüchener:

Durch die Energetisierung des Leitungswassers wird die Molekularstruktur neu geordnet und in den Zustand natürlichen Quellwassers gebracht. Gleichzeitig ionisiert Cleanergizer das Wasser. Dabei werden deformierte Wassercluster neu strukturiert und in neue, kleinere Molekülverbindungen gewandelt. Durch diese Vorgänge verwandelt Cleanergizer das Leitungswasser in wenigen Minuten zu einem weicheren Wasser, vermindert dabei die Oberflächenspannung und spaltet den Kalk vom Wasser ab.

Die Molekularstruktur des Wassers ist ja jedem Schüler bekannt. Man weiß, dass die zahlreichen Wasserstoffbrückenbindungen tatsächlich zur Bildung von Clustern führen, und man kann davon ausgehen, dass sich diese von der Quelle bis zum Wasserhahn ungefähr eine Milliausend mal umgruppiert haben dürften. Angesichts der Anzahl der Möglichkeiten (in einem Liter Wasser befinden sich ungefähr 3,35×1025 Moleküle) dürfte ein Klötzchen dem Wasser kaum dazu verhelfen, sich an die gute alte Zeit an der Quelle zu erinnern, selbst wenn es ein Gehirn hätte. Und schon gar nicht dürfte es so aussehen wie im Fernsehen angedeutet:

Über den „Cleanergizer“ werden übrigens „keine Inhaltsstoffe abgegeben“, „sondern der Molekulare [sic] Aufbau des Wassers optimiert“. Die Putzwirkung kommt nämlich durch „einen überdurchschnittlichen Anstieg des PH-Wertes [sic]“, das Klötzchen macht also das Wasser basischer. Jetzt weiß man auch, was mit der Ionisierung des Wassers gemeint ist: Aus H2O soll offensichtlich OH werden. Die versprochene Wirkung müsste sich also überprüfen lassen können, genau wie die Verminderung der Wasserhärte zu einem „weicherem Wasser“. Und jetzt kommt’s: Es gibt sogar schon Messwerte!

Das Ganze ist ja schließlich „laborgeprüft“, und zwar vom Fraunhofer-Institut, weil man ja auch seriöse Fakten auf den Tisch legen will. Der entsprechende Prüfbericht ist sogar gleich an die Produktbeschreibung angehängt, also habe ich ihn mir mal angekuckt. Darin heißt es zunächst einmal: „Vom Auftraggeber wurde [sic] 4 Wasserproben geliefert.“ Das heißt, der Vertrieb selbst hat vier Proben hergestellt und eingeschickt, und zwar „Leitungswasser“, „Leitungswasser – energetisiert“, „gechlortes Leitungswasser“ und „gechlortes Leitungswasser – energetisiert“. Was war nun das Ergebnis? Der pH-Wert des Leitungswassers stieg durch die „Energetisierung“ von 8,1 auf spektakuläre 8,1; derjenige des chlorierten Wassers von 9,0 auf 9,0. Die Wasserhärte (also die Konzentration an unlöslichen Salzen wie Kalk, die eh immer in Wasser vorhanden sind) stieg durch die Zauberverwandlung um 0,2 respektive 0,1 °dH an. Wohlbemerkt bei einer Skala, deren Werte üblicherweise von 0 bis über 20 schwanken können. Und nebenbei bemerkt bedeutet ein höherer Wert, dass das Wasser härter wird, nicht weicher. Kein Wunder, wenn die Konzentration der Calcium-Ionen teilweise sogar deutlich ansteigt. Man kann also feststellen: Die Firma widerlegt mehrere ihrer Behauptungen gleich selbst, vermutlich in der Hoffnung, dass die Analyse Seriosität vermittelt, und die Leute das sowieso nicht genauer lesen. Was man auch am im Fernsehen gewählten Maßstab erkennen kann:

Screenshot 2

Die drei Geschmacksrichtungen der Klötzchen sind übrigens in ihrer „Funktion“ identisch, der Vertrieb gibt auf der FAQ-Seite sogar selbst an, dass die Farben den Benutzern lediglich „die Anwendung erleichtern“ sollen. „Denn nicht jeder möchte seinen Cleanergizer zuerst im Putzeimer nutzen und denselben im Anschluss dann in die Wasserkaraffe geben.“ Also kauft man sich am Besten gleich mehrere – ein „Cleanergizer“ kostet schließlich nur 40 Euro (bei HSE24 als Sonderangebot nur 35 Euro)! Eine Übersicht des Herstellers empfiehlt schon einmal die dauerhafte Anschaffung jeweils einzelner Klötzchen für das Scheißhaus, die Regentonne, den Gartenteich (einer pro 500 l), das Aquarium und die Kaffeemaschine; wenn man jetzt noch die universellen „Cleanergizer“ für Trinkwasser, Putzen und Garten dazuzählt, kommt man im Idealfall (für den Hersteller) auf acht Stück à 35–40 Euro (immerhin gibt es aber Mengenrabatt).

Soviel zum Vertrieb. Der Hersteller selbst heißt übrigens „ZARO“ (vermutlich vom Namen des Gründers abgeleitet), und dessen mit Kommafehlern nicht geizende Website „zarobiotec.com“ macht einen noch weniger überzeugenden Eindruck als die bisher genannten Produktpräsentationen: „Menschen glauben nur was sie sehen oder anfassen können“, heißt es dort, und da denkt man sich doch schon: „Oooooch! :-(“ – „Trotzdem glauben sie an elektrischen Strom, obwohl man den nicht sehen kann.“ Stimmt, aber vielleicht sollten die Macher es hier ja mal mit Anfassen probieren, haha. Es folgen noch so einige physikalische Fachbegriffe (Quantenphysik, Photonen, Quarks, Energie), deren völlig willkürliche und sinnfreie Verwendung darauf schließen lässt, dass der Autor des Textes nicht einmal über rudimentäre Realschulkenntnisse in Physik verfügen dürfte, und darauf vertraut, dass es seiner Zielgruppe genauso geht. Vermutlich um Google mit positiven Suchergebnissen über die eigenen Produkte zu füllen, wurde zusätzlich noch eine „PresseAgentur“ [sic] namens „zaronews.com“ gegründet, und um allen haltlosen Behauptungen einen… äääh… „akademischen“ Unterbau zu verleihen, gibt es zusätzlich noch die Seite „zarolightacademy.org“ zu Themen wie Lichtnahrung oder Geistheilung, die an Universitäten bislang komischerweise keinen Platz gefunden haben.

Also, liebe HSE24-Kundinnen: Wenn Sie sich auch drei Wochen lang von Licht ernähren würden, dann greifen Sie beim „Cleanergizer“ zu! Und hier noch ein guter Tip an die christlichen Zuschauerinnen: Den gleichen Effekt beim Putzen erzielen Sie übrigens auch, wenn Sie nach der Befüllung des Eimers einfach ganz doll beten, dass das Wasser den Boden auch ohne Putzmittel sauber bekommt. Denn: „Sie werden feststellen, je mehr cleanergized Wasser Sie auftragen, desto schneller wird es sauber und rein.“ Was bei uncoolem Leitungswasser bekanntlich nicht der Fall ist.

Und hier noch der Punk-Bezug:

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Fernsehen, Werbung, Wissenschaft

Der Einlauf ist das Ziel

Wenn ein Grafikdesigner sich nicht mehr aus dem Deutschunterricht daran erinnert, dass man übers Zeilenende hinausgehende Wörter mit Bindestrichen trennt, dann kommt dabei statt einer langweiligen Zigarettenwerbung eine unfreiwillig originelle Werbung für ein Nikotinklistier heraus:

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Richtiges Leben, Werbung

„Deutschland“ rundet auf

Was habe ich nun schon wieder im Fernsehen gesehen, mit der Befürchtung, davon in nächster Zeit noch viel mehr sehen zu müssen? Es gibt ab Donnerstag eine Spendenaktion namens „Deutschland rundet auf“, mit der sich ein paar Einzelhandelsunternehmen in ein etwas freundlicheres Licht rücken lassen wollen. Denn wer kann einen Konzern schon einen Ausbeuter nennen, wenn dieser sich doch nachweislich für das Menschliche einsetzt? Also hat man die coole, junge Marketingfirma „Dorland“ aus Berlin engagiert, die schon mit Werbung für soziale Einrichtungen wie Vattenfall, Bruno Banani oder HUK Coburg glänzen konnte, um die groß angelegte Kampagne in den Medien breitzutreten. Es geht in dieser Kampagne darum, dass „der Verbraucher“, wie man so schön sagt, in ausgesuchten Läden wie Kik, Kaufland, Netto oder Penny-Markt an der Kasse „aufrunden bitte“ sagen soll, um ein paar Cent an wohltätige Zwecke zu spenden. Hier ein Werbespot:

Hierzu fällt mir einiges ein. Erstens: „Deutschland“ macht gar nichts, es sucht keinen Superstar, schafft sich nicht ab und rundet erst recht nicht auf, es fängt höchstens Kriege an. Es rundet schließlich nicht jeder Deutsche auf, sondern nur jeder, dem Spendenaktionen wie diese nicht blöd genug sind. Zweitens: Die Spendeneinnahmen sollen an wohltätige Zwecke gehen wie Projekte gegen Kinderarmut und für Integration und den ganzen üblichen Kram. Aber da frage ich mich doch, wie heuchlerisch man als Unternehmer sein kann. Wenn den wenigen Menschen, die in einem Unternehmen wie Kik viel Geld verdienen, die Menschen wirklich so doll am Herzen liegen, warum fangen sie dann nicht an, etwas an den Arbeitsbedingungen ihres eigenen Personals in Deutschland wie in Bangladesch zu verbessern? Wenn man für „soziale Verantwortung“ ist, warum will man dann selbst nichts damit zu tun haben, sondern wälzt sie auf die eigenen Kunden ab? Warum nicht gleich im Pelzgeschäft eine Spendendose für Tierschutzorganisationen hinstellen? Wenn ein Unternehmen wie Netto laut Wikipedia etwa 10.400.000.000 € Umsatz im Jahr macht, warum sollen dann diejenigen, die dort einkaufen, in ihre Taschen greifen? Diejenigen, die eigentlich eher nichts entbehren können? „Für mich ist das nicht viel“, haha, grins, klar, du bist ja auch für eine Werbung engagiert worden, aber was ist mit der Manageretage, für die das durchschnittliche Monatsgehalt eines der eigenen Kunden eigentlich auch nicht viel ist? Ähnliches denke ich auch immer wieder bei Aktionen wie dem alljährlichen „RTL-Spendenmarathon“, den man sich zur Imageverbesserung ja auch gerne gönnt. Was sind die paar Millionen Euro an Spenden, die von Zuschauern mühsam zusammengekratzt werden, gegen die paar Milliarden, die RTL selber einnimmt, von denen aber weniger gerne etwas an Unterprivilegierte abgegeben will?

Nicht dass ich Spenden vom „kleinen Mann“ prinzipiell für schlecht halte. Ich will auch den Machern der Aufrundungsaktion nicht grundsätzlich etwas Böses unterstellen, aber solche Aktionen sind eben nur in dem Rahmen positiv erwähnenswert, den der Kapitalismus allen bietet. Und solange sich daran nichts Grundsätzliches ändert, ist ein bisschen Heuchelei immer dabei.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Fernsehen, Presse, Werbung