Monatsarchiv: Mai 2014

Terrorgruppe – Blechdose (2002)

So sehr ich es uncool finde, dass das „Ruhrpott-Rodeo“ seit 2008 nicht mehr im Ruhrpott, sondern am Niederrhein stattfindet, so sehr begrüße ich das von Jahr zu Jahr immer internationalere Lineup. Mit Bad Religion, Pennywise und Millencolin liest sich das Ganze dieses Jahr wie ein Paradies für Fans des 90er-Jahre-Epitaph-Sounds. Und man sollte auch nicht vergessen, dass die von mir überaus geschätzte Terrorgruppe im Jahr 2000 eine LP bei Epitaph Europe herausgebracht hat. Auch wenn ihre Reunion die Band als Lügner entlarvt hat, werde ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mir ihre alten Hits morgen auf besagter Veranstaltung anzuschauen. Und wenn dann auch noch die von mir noch übermäßiger geschätzten Bad Religion am selben Abend auf derselben Bühne spielen, fahre selbst ich als Festival-Muffel nach fünf Jahren Pause auch mal wieder nach Hünxe. Denn Hünxe, dat is schließlich der Pott!

Da ich mein bislang einziges Live-Erlebnis mit der Terrorgruppe im Jahre 2003 den Wimpernschlag einer Libelle vom Vollrausch entfernt verbracht habe, gibt es nur einen Maßstab für meine Erwartungen an die morgige Show: die „Blechdose“, das 2002 erschienene Livealbum; die für mich neben „It’s Alive“  und „Knochenfabrik live in Monheim“ gelungenste Liveplatte im Punk-Bereich. Ich besitze sie sogar in der extrem limitierten (so sagte man uns zumindest damals) Vinyl-Version, die auch noch die Songs der „Tresenlied“-EP als Bonustracks enthält. Und wer die Platte kennt, der weiß, dass es sich bei der „Blechdose“ nicht um eine ganz gewöhnliche Liveaufnahme handelt, sondern um ein Gesamtkunstwerk.

Denn wer ein Livealbum mit Samples aus anderen Livealben aufmotzt, der hat schon gewonnen. Und wer ein ganz offensichtlich nicht beim Auftritt vorhandenes Orchester in ein Lied mischt, führt das Konzept eines Livealbums auf unterhaltsame Weise ad absurdum. Der klassische Dialog „Seid ihr alle gut drauf?“ – „Fick dich du Arschloch!“ ist ebenso ein Bestandteil dieses Juwels wie „Kurze Pause, ich bin völlig verstimmt“ – „Hört man gar nicht“, und weiterer Blödsinn. Hinzu kommt, dass die Terrorgruppe live eh immer besser klang als auf „für auf Platte“. Man hört auf der „Blechdose“ also praktisch ein Best-of-Album mit viel Energie und in perfektem Sound, dazu als Bonus die bereits erwähnten bekloppten Gags. Es fehlen lediglich die Klassiker „Die Gesellschaft ist schuld, dass ich so bin“ und „Gestorben auf dem Weg zur Arbeit“, sowie natürlich die Songs der ein Jahr später erschienenen Platte „Fundamental“. Erstere wurden jedoch erfreulicherweise auf der Bonus-CD der kürzlich erschienenen Band-DVD nachgeliefert. Alles andere wird man möglicherweise morgen zu hören bekommen, aber die Moral dieser Geschichte ist ohnehin nur: Die „Blechdose“ ist eindeutig das beste Album der Terrorgruppe; alles andere ist primär.

Überzeugen Sie sich selbst:

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