Monatsarchiv: November 2013

The Bosshoss

Zu den lächerlichsten Aussagen, die man überhaupt in deutscher Sprache tätigen kann, gehört: „Manchmal höre ich auch gerne Country wie The Bosshoss.“ Diese Variante des Satzes rangiert sogar noch weiter unten als diejenige mit Gunter Gabriel am Ende. Das Bandkonzept ist erstaunlich (?) simpel: Da geben sich ein paar Typen, die so aussehen als gehörten sie zum örtlichen Social-Distortion-Fanclub, allen Ernstes Künstlernamen wie „Boss Burns“ oder „Hoss Power“ und spielen dann wirklich wirklich furchtbare Lieder, die zum musikalischen Bodensatz des Dudelfunks gehören, als überflüssige „Country“-Versionen nach. Garniert wird das Ganze mit noch überflüssigeren eigenen Lagerfeuerromantikliedern.

Mal ehrlich: Songs wie „All the Things She Said“, „Hot in Herre [sic]“, „Drop It Like It’s Hot“ oder „Last Christmas“ (!) will man schon im Original nicht hören. So wie man über eine ironische (das Zauberwort!) Coverversion eines David-Hasselhoff-Songs höchstens ein Mal lachen und auf eine Wiederholung gerne verzichten würde. Letztendlich klingen die neuen Singles von The Bosshoss noch nicht einmal mehr nach Country, sondern nach der Grütze, mit der sich offenbar mehr Geld verdienen lässt als mit belangloser LKW-Fahrer-Musik, die ein Gefühl von Feierabendverkehr am Kamener Kreuz ins eigene Wohnzimmer transportiert.

Zu den bereits erwähnten Mängeln gesellt sich außerdem noch der lächerliche öffentliche Auftritt der Band als Vollproleten in Feinrippunterhemden, die all den Klischees entsprechen, die intelligente Künstler in dieser Situation zu brechen versuchen würden. Immerhin haben es „Boss Burns“ und „Hoss Power“ (in den entsprechenden Wikipedia-Artikeln stehen ernsthaft Formulierungen wie „Powers Tochter“ oder „Burns hat einen Sohn“) mit der Masche weit gebracht, da sie in die Jury von „The Voice of Germany“ rücken durften, als keine richtigen Prominenten mehr verfügbar waren. Es sind tatsächlich beide als „Coaches“ dabei – betrachtet man die Plattencover der Band, bekommt man den Eindruck, dass sie sich ohnehin für die einzig wichtigen Mitglieder halten. Geschenkt ist da die Bemerkung, dass das Gesangs-„Talent“ der Gesangs-Coaches von The Bosshoss weit unter Null liegt, und zwar in Kelvin.

Alles in allem demonstriert die Brokeback-Mountain-Gruppe wunderbar, wie es selbst eine durchschnittliche Stadtfest-Coverband zu Erfolg bringen kann, wenn sie ein großes Label mit entsprechender Promotion im Rücken hat.

Fun Fact: Teile der Band produzieren in ihrer Freizeit auch gerne Werbejingles für „Firmen wie McDonald’s, BMW oder Tchibo“ (Wikipedia).

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Die schlechtesten Comedy-Programmtitel

Passend zum Comedypreis 2013 (beziehungsweise mit ein paar Wochen Verspätung) habe ich mich mal wieder in den Comedy-Abgründen herumgetrieben und bin auf derart übersprudelnde Originalität gestoßen, dass ich sie unbedingt teilen möchte.

15. „Erwachsen werde ich nächste Woche!!“ (Mirja Boes, 2009)
Ein Titel für ein Comedyprogramm sollte eigentlich entweder lustig sein, originell, ironisch oder im besten Falle geistreich. Wenn einem nichts dergleichen einfällt, kann man auch irgendeinen inhaltlichen Bezug nehmen. Dieser Titel hier ist allerdings ein Paradebeispiel für einen unfassbar langweiligen Titel, den sich auch ein Zwölfjähriger hätte ausdenken können. Dabei sollte man doch zumindest über das Aushängeschild eines Programms ein bisschen länger als zwei Minuten nachdenken, damit man nicht wie in diesem Falle einfach an einem Plakat vorbei geht und denkt: „Aha.“

14. „Hart Backbord – Noch ist die Welt zu retten“ (Paul Panzer, 2012)
Was soll einem das sagen? Streng genommen handelt es sich hier um Titel und Untertitel, die allerdings weder etwas miteinander zu tun haben noch Interesse wecken. Was schade ist, weil einem dabei so viel Spitzenhumor entginge.

13. „Wilde Kreatürken“ (Bülent Ceylan, 2011)
Was für ein Wortspiel! Die immer nach den gleichen Strickmustern ablaufende sogenannte „Ethno-Comedy“ scheint auch über zehn Jahre nach Kaya Yanars Erscheinen auf der Bildfläche noch nichts von ihrem ohnehin kaum vorhandenen Reiz verloren zu haben.

12. „Nicht jeder Prinz kommt uff’m Pferd“ (Cindy aus Marzahn, 2009)
Das habe ich mir gedacht, Prince Charles kommt zum Beispiel meistens mit dem Auto.

11. „Endlich Freizeit – Was für’n Stress!“ (Paul Panzer, 2010)
Man würde hinter dem „Endlich Freizeit“ normalerweise einen originellen Zusatz erwarten, aber natürlich nicht bei einem Komiker, dessen Konzept ausschließlich darauf beruht, Wörter falsch auszusprechen, und der entsprechend talentiert im Formulieren von Pointen ist.

10. „Döner for one – mit alles“ (Bülent Ceylan, 2002)
Ahahaha! Muss denn bei jedem türkischstämmigen Comedian alles mit den naheliegendsten Anspielungen vollgekleistert sein? Und was sollen eigentlich ständig die ganzen Bindestriche, die dann letztendlich doch nichts zur Verbesserung beitragen?

9. „Schizophren – Ich wollte ’ne Prinzessin sein“ (Cindy aus Marzahn, 2007)
Herzlichen Glückwunsch! Und?

8. „Morgen mach ich Schluss! … Wahrscheinlich“ (Mirja Boes, 2007)
Herzlichen Glückwunsch! Und?

7. „Pink is Bjutiful“ (Cindy aus Marzahn, 2013)
Ein Titel so originell wie ein Buch namens „Sänk ju vor träwweling wis Deutsche Bahn“: In den 80er Jahren hätte man eventuell sogar darüber gelacht, der aufgeklärte Mensch von heute durchschaut aber natürlich, dass dies nur ein typischer Verlegenheitstitel einer „Künstlerin“ (im allerweitesten Sinne, no pun intended) ist, der kein lustiger Titel eingefallen ist.

6. „Wenn Sie lachen, ist es Oschmann“ (Ingo Oschmann, 2005)
Kennt noch jemand Ingo Oschmann? Der Typ hat mal bei „Star Search“ in der Kategorie „Comedy“ gewonnen, obwohl er eigentlich gar nich mal so lustig ist. Zur Strafe musste Sat 1 dann auch noch eine eigene Reihe mit ihm produzieren, und die hieß „Wenn Sie lachen, ist es Oschmann“. Dabei war der Titel eigentlich schon das Lustigste an der ganzen Geschichte, haha.

5. „Kill Bernd – aber vorher bringt er noch den Müll runter“ (Lisa Feller, 2010)
Lisa Feller ist eine Art dauergrinsender weiblicher Mario Barth, und dieser Titel hier ist wirklich ein Meisterwerk. Ob vor dem Bindestrich oder dahinter: Jeder Bestandteil allein ist schon den Eintrittspreis wert.

1.–4. „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“, „Männer sind primitiv, aber glücklich!“, „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“, „Männer sind schuld, sagen die Frauen!“ (Mario Barth, 2003–2012)
(Ohne Worte)

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