Deutschland braucht Deutschpunk II

ZSK, die Green Day des deutschen Punkrocks, haben sich bekanntlich vor Kurzem wiedervereinigt und mittlerweile auch eine neue Platte herausgebracht. Ich konnte es mir als bekennender Fan nicht nehmen lassen, hier etwas darüber zu schreiben. Auch wenn es sich streng genommen natürlich nicht um Deutschpunk, sondern um Skatepunk handelt!

Schwanz für die Sache

Zunächst fällt dem Punkrocker natürlich das romantische Covermotiv auf. Es sieht so aus, als wären ZSK nie weggewesen, sodass sich alle Befürchtungen, die Band könnte zwischenzeitlich erwachsen geworden sein, schnell in Wohlgefallen auflösen. Gleich der erste Song klingt wie die Vertonung einer Antifa-Demo und nimmt sich dafür den bekannten linken Slogan alerta antifascista zur Grundlage. Als wäre das aber noch nicht klischeebeladen genug, spricht der Sänger auch noch das Wort alerta penetrant „Aleata“ aus. So ungefähr wie ein Ruhrgebiets-Proll den Lehrter Bahnhof in der Bundeshauptstadt Berlin nennen würde, wo sich die ursprünglich Göttinger Band aus taktischen Gründen bekanntlich niedergelassen hat. Soundtechnisch fällt direkt der prollige Metal-Einschlag auf, mit der Kombination aus diesem bolzenden Schlagzeug und unnötig tiefem Gitarren-Sound, die man auch aus Songs wie „Glück auf“ von Betontod kennt.

Was haben ZSK 2013 textlich noch so zu bieten? Zeilen, die jeden rebellischen 16jährigen sofort ansprechen, wie zum Beispiel: „Ich gehe niemals ohne Feuerwerk raus, ich mag es wenn es knallt und raucht. Ich stehe auf das Gegenteil von gefahrlos: Kapuze auf, in beiden Händen Bengalos.“ Ansonsten in fast jedem Song die Erzeugung eines diffusen Kollektivbewusstseins durch die Anhäufung von Personalpronomen der ersten Person Plural („wir“, „uns“). Dazu gesellen sich Medienkritik auf Anfängerniveau („Was wollt ihr hören?“), englischsprachige Songs mit provinzdeutschem Akzent (das Pflichtprogramm für jede Schülerband), Fließbandkritik an Spießern („Soll das alles gewesen sein?“) und ostentative Untermauerung der eigenen Credibility („Viel Glück“). Letzteres versuchen ZSK auch noch auf die ironische Art („Punkverrat“, mit Gastauftritt von Bela B.), was aber leider nicht immer gleichbedeutend mit gut oder originell ist.

Garniert wird das Ganze dann noch mit zusammengeklauten Zitaten anderer Punkbands wie But Alive („Bis jetzt ging alles gut“), Die Goldenen Zitronen (Textzeile in „Lichterketten“) oder Slime (Textzeile in „Bis jetzt ging alles gut“). Von den meisten dieser Vorbilder sind ZSK zwar meilenweit entfernt, aber bei Slime zeigt sich eine erstaunliche Parallele:

Aleata Antifaschista!

„Foto: Joe Dilworth – Nutzung für Promozwecke honorarfrei bei Nennung des Fotografen.“ (Selbstverständlich ist dieser Artikel als Promo zu verstehen!)

Jedoch hat Dirk von Slime eindeutig die schöneren Schuhe:

„Slime“ 2012

„Foto: Mirja Nicolussi“

Zusammenfassend lasse ich am Schluss nur noch eine Amazon-Rezension sprechen: „Das zweite Album ‚From Protest to Resistance‘ war und ist das wahrscheinlich beste Punkrock Album [sic] aller Zeiten. Ich glaube nicht das [sic] irgendeine Band jemals wieder ein besseres Album machen wird. ‚Herz für die Sache‘ kommt diesem zweiten Album sehr nahe.“

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Musik

Eine Antwort zu “Deutschland braucht Deutschpunk II

  1. „…Also ersteinmal ist es ein sehr hübscher Karton.“ :-)

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