„Me-too“-Sendungen

Unter Wirtschaftsschlaumeiern gibt es einen Fachbegriff namens „Me-too-Produkt“ für „Produkte, die einem meist innovativen Original-Produkt in vielen Eigenschaften und Fähigkeiten gleichen und bei Erfolg des Erstanbieters – möglichst kurz darauf – auf den Markt kommen“ (Wikipedia). Ein Beispiel: Seit es die Erfindung „Coca Cola Zero“ gibt, haben nach und nach sogar Discounter damit angefangen, ihre Billigcolas mit coolen Namenszusätzen wie „Zero“ oder „0 % Zucker“ zu versehen, selbst wenn exakt das Gleiche drin ist wie in Cola light.

Auch beim Fernsehen kann man sich oft quasi bildlich vorstellen, wie jemand in einer Senderredaktion sitzt, neiderfüllt über den Erfolg eines Konkurrenzsenders liest und seinen Kollegen ganz clever vorschlägt: „So eine Sendung brauchen wir auch!“ Oder wie Oliver Kalkofe einmal sehr treffend formulierte: „Die wichtigste Regel, die man beim Fernsehen heute lernt, ist die: Wenn ein anderer Sender einmal aus Versehen ein erfolgreiches Format gebracht hat, dann ärger dich kurz und mach es so schnell wie möglich nach.“

Um die Kreativität der Fernsehbranche angemessen zu würdigen, habe ich eine kleine Liste der revolutionärsten Formatideen aufgestellt. Ich berücksichtige hierbei nur Sendungen der letzten 15 Jahre, die zumindest teilweise parallel nebeneinander her liefen, und außerdem nur deutsche Produktionen – schließlich ist es eigentlich der Normalfall, dass selbst innovative Formate im deutschen Fernsehen ursprünglich aus anderen Ländern stammen.

„Stalker“ (Sat 1) – „Verfolgt“ (RTL)
An diesem aktuellen Fall kann man erkennen, dass Sender mit ähnlichen Formaten teilweise darum kämpfen, bei der Ausstrahlung unbedingt der erste zu sein. Auch wenn die Relevanz des Formats zu wünschen übrig lässt. Dies ist aber natürlich nicht immer der Fall; manchmal lassen sich Sender auch schon mal mehrere Jahre Zeit.

„Die 10…“ (RTL) – „32Eins!“ (Sat 1)
Altes Archivmaterial noch mal wegzusenden um preiswert Quote zu generieren klappt eigentlich immer ganz gut, nur halt bei Sat 1 nicht. Dazu kommt noch die Ratlosigkeit beim Blick ins TV-Programm, wie man „Zweiunddreißig Eins!“ eigentlich aussprechen soll. Wer sich solche Sendungen gerne ankuckt, riecht meistens streng.

„Sag die Wahrheit“ (SWR) – „Es kann nur E1NEN geben“ (RTL)
Es ist zwar eher ungewöhnlich, dass sich ein Privatsender von den Öffentlich-Rechtlichen „inspirieren“ lässt, kommt aber schon mal vor. Hierzu habe ich sogar schon mal was geschrieben, worauf ich an dieser Stelle mal verweise.

„Die perfekte Minute“ (Sat 1) – „The Cube“ (RTL)
Ulla Kock (höhö) am Brinks umjubeltes TV-Comeback 2010 fand ich eigentlich gar nicht so schlecht. Die (aus Amerika übernommene) Idee, Kandidaten in ganz unspektakulären Geschicklichkeitsspielen antreten zu lassen, überzeugte mich gerade durch ihre Einfachheit. Bei RTL muss sich dann jemand gedacht haben: „Das brauchen wir auch!!!“ Also lizenzierte der Sender schnell das englische „The Cube“, das ebenfalls auf Geschicklichkeitsspielen basiert, aber etwas pompöser aufgeblasen ist. Und wen in der „perfekten Minute“ schon das ständige „die Kandidaten haben noch drei Leben“ genervt hat, für den gab es bei RTL sogar gleich neun „Leben“. Und wo man Trulla Rock am Ring (wie Kalkofe sie einmal nannte) anmerkt, dass sie tatsächlich mit ihren Kandidaten mitfiebert, hat man bei RTL halt nur Nazan Eckes, wo die Bezeichnung „Moderatorin“ eigentlich schon zu gutmütig erscheint. Zum Glück gab es davon auch nur zwei Folgen, im Abstand von mehreren Monaten. „Die perfekte Minute“ kommt nach ständigen Umstrukturierungen aber wohl auch nicht mehr.

„Schlag den Raab“ (Pro 7) – „Alle auf den Kleinen“ (RTL)
Die einzige interessante Sendung, die Stefan Raab in den letzten zehn Jahren hervorgebracht hat, ist das allseits bekannte „Schlag den Raab“, das gerade deshalb so clever konzipiert ist, weil sie auch das Potential hat, Zuschauer anzusprechen, die Raab nicht leiden können. Da diejenigen, die Oliver Pocher nicht leiden können, hingegen deutlich in der Überzahl sein dürften, dachte sich RTL für ihn eine eigene Sendung aus, die zwar schon Mitte 2011 angekündigt, aber erst im Januar 2013 ausgestrahlt wurde. Wie nicht anders zu erwarten, wirkte  das Konzept von „Alle auf den Kleinen“ allzu kalkuliert: Im Gegensatz zu Raab zeigte Pocher keinen übertriebenen Siegeswillen, und die bemühte Selbstironie, wenn er schon von der Moderatorin beleidigt und veralbert wird, ist auch eher für den Arsch.

„Germany’s Next Topmodel“ (Pro 7) – „Das perfekte Model“ (VOX) – „Million Dollar Shootingstar“ (Sat 1)
Im Prinzip sind alle drei dieser Sendungen gleich menschenverachtend. Als Zielgruppe dienen stets diejenigen Mädchen und jungen Frauen, deren Gehirne nicht genug Potential für selbständiges Denken aufweisen, und die Machart lässt kaum optimistischere Schätzungen über alle anderen an den Shows Beteiligten aufkommen. Letztendlich dürften alle Personen vor und hinter der Kamera irgendwo zwischen den drei Polen naiv, dumm und zynisch zu verorten sein, aber immerhin gibt es ja für jeden die Aussicht auf Geld. Welches Menschenbild in solchen Sendungen vermittelt wird, dürfte allgemein bekannt sein, und dass man hier eine Oberflächlichkeit zelebriert, für die sich normale Menschen schämen würden. Ein wenig erleichternd wirkt immerhin, dass außer Pro 7 alle anderen Sender regelmäßig mit solchen Konzepten baden gehen. Das Lustigste ist, mit welchem Brimborium Sat 1 seine Variante im Vorfeld beworben hatte, um die Show dann bereits nach der ersten Ausgabe aufgrund katastrophaler Einschaltquoten ins Spätprogramm zu verlegen, wo sie dann auch keiner mehr kuckte. Schade, dass man im Fernsehen so selten auf Gerechtigkeit trifft.

„Let’s Dance“ (RTL) – „You Can Dance“ (Sat 1) – „Yes We Can Dance“ (Sat 1), „Got to Dance“ (Sat 1/Pro 7)
Tanzshows gehören für mich zum Schlimmsten, was das Fernsehen zu bieten hat, denn die kann ich mir noch nicht einmal mit gutem Willen und Trash-Erwartung ansehen. „Let’s Dance“ wurde anfangs noch von Hape Kerkeling moderiert und läuft tatsächlich immer noch, mittlerweile jedoch mit RTL-Allzweckmoderator Daniel Hartwich, der zwar nicht direkt unsympathisch wirkt, aber vermutlich sogar Sendungen moderieren würde, die er selbst für den letzten Scheiß hält, weil es ihm völlig egal ist, solange er im Fernsehen zu sehen ist. Bei der Konkurrenz startet man demnächst schon den mittlerweile dritten Anlauf einer eigenen Tanzsendung, die ich mir auch wieder nicht ankucken werde, selbst wenn Johanna Klum und Palina Rojinski darin vorkommen.

„Rach, der Restauranttester“ (RTL) – „Rosins Restaurant“ (Kabel 1) – „Die Küchenchefs“ (VOX) – „Die Kochprofis“ (RTL 2)
Seit Christian Rach bei RTL marode Restaurants retten muss (2005), schießen im Zuge des allgemeinen Booms der Kochsendungen überall Klone mit dem gleichen Konzept aus dem Boden, teilweise sogar abendfüllend (auch wenn ich feststellen muss, dass die „Kochprofis“ einige Monate vor Rach ihre Erstausstrahlung hatten – nur dass es da noch kaum einer gesehen hat). Die Hauptsache ist, dass dabei am Anfang immer alles scheiße schmeckt, und am Ende lösen sich eigentlich alle Probleme dadurch, dass nach Jahren mal wieder sauber gemacht wird. Wo sich jedoch fast alle Fernsehköche in diesem Genre an Coolness überbieten wollen, ist Rach wohl immer noch derjenige, der am ehrlichsten herüberkommt.

„Bauer sucht Frau“ (RTL) – „Land sucht Liebe“ (Sat 1)
Dieser Fall steht hier exemplarisch für die zahlreichen abgrundtief schlechten Doku-Soaps, die Sat 1 detailgenau von RTL kopiert hat, um wenigstens ein kleines Stück vom Kuchen des Erfolgs stibitzen zu können. Ein ähnlich gelagerter Fall wäre…

„Mitten im Leben“ (RTL) – „Pures Leben – Mitten in Deutschland“ (Sat 1)
Hier lässt die Namensgebung ebenfalls die Hoffnung des Senders erahnen, die Zuschauer könnten die Sendung mit ihrem RTL-Pendant verwechseln. Qualitative Unterschiede feststellen zu wollen wäre hier eigentlich eine Syphilisarbeit, oder wie man das nennt.

„Das weiß doch jedes Kind!“ (Sat 1) – „6! Setzen“ (RTL)
Soweit ich weiß, war „Das weiß doch jedes Kind!“ 2007 die letzte große Sendung von Cordula Stratmann, bis sie vor zwei Wochen mit Olli Dittrich im grandiosen „Frühstücksfernsehen“ wieder zu sehen war. Das Konzept bestand daraus, mäßig schlaue Erwachsene in einem Quiz gegen Kinder antreten zu lassen. Das Ganze stellte sich wohl als so erfolgreich heraus, dass sich jemand bei RTL dachte: „Wir brauchen auch sowas!!!“ Und schon schickte man Günther Jauch mit einer großen Samstagabendshow auf Sendung, in der mäßig schlaue Prominente gegen Kinder antraten. Diese bekam den irgendwie dämlichen Titel „6! Setzen“ verpasst, vermutlich weil jemand den Titel „Setzen, Sechs!“ schon vorher angemeldet hatte.

„Eurovision Song Contest“ (ARD) – „Bundesvision Song Contest“ (Pro 7)
Zwar würde sein Erfinder ihn als Parodie verstehen, aber andererseits ist der „Bundesvision Song Contest“ natürlich auch ein „Ich-auch“-Produkt: Weil Stefan Raabs Eigenkompositionen bei den Eurovisions-Wettbewerben international nie die Wertschätzung erhalten hatten, die ihnen seiner Meinung nach eigentlich zustehen, startete er als Trotzreaktion einfach seinen eigenen „Wettbewerb“. Aus diesem Eingeschnapptsein konnte er dann sogar noch so viel Profit herausschlagen, dass er Jahre später überall als Eurovisions-„Retter“ umschmeichelt wurde, und der Rest der Geschichte ist allgemein bekannt. Selbstverständlich wurde aber nie wieder eine Raab-Komposition zum ESC geschickt. Seine eigenen Versuche wurden stets schon bei den Vorentscheidungen vom Publikum weggewählt. Man wird sehen, ob sich Raabs Frustration darüber auch noch in einer Sendeidee manifestieren wird, zum Beispiel in einem Contest, für den er alle Lieder selbst schreibt.

„Schillerstraße“ (Sat 1) – „Frei Schnauze“ (RTL)
Der Begriff „Impro-Comedy“ ist für viele Leute lange Zeit ein Fremdwort gewesen – schließlich ist er aus zwei Fremdwörtern zusammengesetzt. Die „Schillerstraße“ machte dieses Genre im Jahre 2004 jedoch salonfähig, auch wenn sich mir selber nicht die Lustigkeit erschloss, die sich aus dem spontanen Befolgen alberner Regieanweisungen durch größtenteils untertalentierte „Comedians“ ergeben sollte. Auch als RTL mit „Frei Schnauze“ 2005 nachzog, wurde man als Zuschauer desöfteren von den Vorteilen eines Drehbuchs überzeugt.

„Talk Talk Talk“ (Pro 7) – „Voll total“ (Super RTL)
Vor den Pseudo-Dokus und den Gerichtssendungen waren tägliche Talkshows bekanntlich das große Ding im Nachmittagsprogramm des Privatfernsehens gewesen. Irgendjemand bei Pro 7 muss dann wohl mal eine „gute“ Idee gehabt haben, wie man möglichst viel Sendezeit mit möglichst wenig finanziellem Aufwand füllen könnte, und erfand „Talk Talk Talk“. Das Konzept der glücklicherweise kürzlich abgesetzten Sendung bestand bekanntermaßen daraus, alte Ausschnitte aus sendereigenen Talkshows zu wiederholen, und sie von einer Frau, der das Abitur möglichst wenig gebracht zu haben scheint, dümmlich kommentieren zu lassen, und währenddessen an die niedersten Instinkte des männlichen Publikums zu appellieren – die entsprechende „Switch-reloaded“-Parodie ist wegen ihrer Wirklichkeitstreue fast schon nicht mehr lustig. Einer Parodie nicht einmal mehr wert war hingegen das RTL-Pendant namens „Voll total“. Als wäre „Talk Talk Talk“ nicht schon ein ausgesprochen dämlicher Titel gewesen, überlegte sich bei Super RTL jemand diese Mischung aus „Voll normaaal“ und „TV total“, die das völlige Fehlen eines sprachlichen Sinns nicht einmal durch Originalität auszugleichen vermochte. Also dazu fällt mir wirklich überhaupt nichts mehr ein.

„Genial daneben“ (Sat 1) – „Gibt’s doch gar nicht“ (RTL)
An diese von Dieter Nuhr moderierte Imitation kann ich mich noch nicht einmal mehr erinnern, so schnell war sie 2004 auch schon wieder abgesetzt. Kurioserweise stammten beide Sendungen auch noch von derselben Produktionsfirma.

„Hire or Fire“ (Pro 7) – „Big Boss“ (RTL)
Die Idee, einmal die BWL-Version einer Casting-Show herauszubringen, floppte glücklicherweise bei beiden Sendern. Wer sich ein Bild davon machen will, was für ein knallharter Geschäftsmann Reiner Calmund doch sein kann, der schaut sich am besten die entsprechende Folge von „Kalkofes Mattscheibe“ an. Auch die dort vorkommenden Kandidaten reichen eigentlich schon als Argument dafür aus, an der Uni einen großen Bogen um Wirtschaftsfakultäten herum zu machen.

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ (RTL) – „Die Alm“ (Pro 7) – „Die Burg“ (Pro 7)
Sogenannte Prominente, die alles tun würden, um mal wieder ins Fernsehen zu kommen, werden in einer Konstellation zusammengesteckt, die ausschließlich dazu dient, dass sich sogar der typische RTL-Zuschauer erhobenen Hauptes über sie lustig machen kann. Was bei RTL noch mit großem Aufwand inszeniert wird (da man die Kulisse des englischen Originals mitbenutzen kann), muss bei Pro 7 logischerweise einige Nummern kleiner ausfallen, schließlich musste man 2004 innerhalb nur weniger Monate mit einem eigenen Format nachziehen. Das Ganze war dann sogar noch uninteressanter als das große Vorbild, und mir persönlich gefällt es eher weniger, wenn herablassende Kommentare von Moderatoren abgegeben, die im Prinzip auch zu den potentiellen Kandidaten einer solchen Sendung gezählt hätten.

„Die DDR-Show“ (RTL) – „Meyer & Schulz – Die ultimative Ost-Show“ (Sat 1) – „Die Ostalgie-Show“ (ZDF)
Es war nicht alles schlecht, aber doch das Meiste an diesen Sendungen, die 2003 die Fernsehkanäle überschwemmten. Mal sehen, wann man mit einem Revival dieser Welle rechnen kann.

„Die ultimative Chart-Show“ (RTL) – „Die Hit-Giganten“ (Sat 1)
Da hatte Oliver Geissen 2003 einen überraschend großen Erfolg mit einer Sendung, in der alte Lieder angespielt wurden, zu denen Menschen vor blauen Bildschirmen allerlei uninteressante Kommentare abgaben, also dachte sich Sat 1, dass man seine Sendezeit ebenfalls kostengünstig damit füllen könnte, und ließ den mir im Prinzip sympathischen Hugo Egon Balder die „Hit-Giganten“ moderieren. Ehrlich gesagt halte ich diese beiden Shows aber für so belanglos, dass ich gar nicht mehr viel dazu schreiben kann, außer, dass sie zahlreiche weitere Shows ausgelöst haben, in denen allerlei Idioten, die eigentlich nichts zu sagen haben, alte Videoausschnitte kommentieren dürfen. Und die Chart-Show läuft sogar immer noch, auch wenn nach der tausendsten Sendung die Suche nach Themen immer schwieriger wird, sodass in zehn Jahren wahrscheinlich nur noch Oberthemen wie „die erfolgreichsten Rockballaden der 90er, die es nur auf Platz 4 der Airplay-Charts geschafft haben“ frei sein werden.

„Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) – „Star Search“ (Sat 1)
Kennt noch jemand Ingo Oschmann? Der Typ hat mal bei „Star Search“ in der Kategorie „Comedy“ gewonnen, obwohl er eigentlich gar nich mal so lustig ist. Zur Strafe musste Sat 1 dann auch noch eine eigene Reihe mit ihm produzieren, und die hieß „Wenn Sie lachen, ist es Oschmann“. Dabei war der Titel eigentlich schon das Lustigste an der ganzen Geschichte, haha.

„Richterin Barbara Salesch“ (Sat 1) – „Das Jugendgericht“ (RTL) – usw.
Natürlich gab es zahlreiche Gerichtsshows mehr, aber als der große Boom bei Sat 1 begann, war „Das Jugendgericht“ die erste Sendung, mit der RTL nachzog (übrigens auch noch von derselben Produktionsfirma). Sicher hatte es auch schon Gerichtssendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegeben, aber erst im Privatfernsehen konnte der Einsatz untalentierter Laiendarsteller als Methode zu der Perfektion reifen, die den Kanälen heutzutage ihr Nachmittagsprogramm verbilligt.

„Ich heirate einen Millionär“ (RTL) – „Wer heiratet den Millionär?“ (Sat 1)
An diese beiden in ihrem Frauenbild ganz besonders verabscheuungswürdigen Sendungen kann sich glücklicherweise kaum noch jemand erinnern. Bei RTL durfte „Familienduell“-Moderator Werner Schulze-Erdel die Show moderieren, in der sich am Ende herausstellte, dass sich die Gewinnerin und der angebliche Millionär bereits vorher gekannt hatten. Auch bei Sat 1, wo der damalige Talkshowmoderator „Franklin“ moderieren durfte, wurde nichts aus der versprochenen Hochzeit, und beide Sender verzichteten in der Folgezeit auf eine Fortsetzung. Wahrscheinlich hat uns diese Art von Sendung hinterher jedoch den „Bachelor“ eingebrockt, wo der Mann nicht einmal mehr als wohlhabend vorgestellt werden muss.

„Big Brother“ (RTL II) – „Girlscamp“ (Sat 1)
„Big Brother“ war 2000 eine (im deutschen Fernsehen) neue Idee und auf Anhieb sehr erfolgreich. Jemand in der Sat-1-Chefetage schrie also „Me too!“ und hievte das „Girlscamp“ ins Programm. Diese Sendung ist mir primär aus der damaligen Zweitverwertung bei „TV total“ bekannt, wo sie als „Bratzenbarracke“ bezeichnet wurde (damals hatte „TV total“ ja sogar noch Inhalt). Es muss jedenfalls alles ein ziemlicher Rotz gewesen sein. Was aber noch erwähnenswert wäre: Wer hat denn beim „Girlscamp“ mitmoderiert? Die allseits beliebte Barbara Schöneberger, haha.

„Wer wird Millionär?“ (RTL) – „Die Quiz-Show“ (Sat 1) – „Das Quiz mit Jörg Pilawa“ (ARD)
Sicherlich ist „Wer wird Millionär?“ einer der größten Erfolge der deutschen Fernsehgeschichte gewesen, und dass die Sendung seit fast 15 Jahren immer noch erfolgreich läuft, ist heutzutage sehr ungewöhnlich. Es ist aber eben auch tatsächlich eine gute Sendung, selbst wenn man nicht viel von Günther Jauch halten mag. Kaum war die Sendung da, wollte jeder andere Sender auch unbedingt eine große Quizsendung haben, in der man Fragen mittels Multiple Choice beantwortete, Joker zur Hilfe bekam und die Aussicht auf einen mindestens sechsstelligen Gewinn hatte. Jörg Pilawa hat diese Welle zum Anlass genommen, seit 2001 praktisch nur noch Quizshows (oder ähnliche Spielshows) zu moderieren, um als „Quiz-Onkel“ in die Annalen der deutschen Fernsehgeschichte einzugehen. Übrigens gab es im ZDF 2000 und 2001 auch noch „Ca$h – Das Eine-Millionen-Mark-Quiz“ mit Ulla Kotz nach Links (Kalkofe), das ebenfalls mit einem großen Gewinn lockte, und schnell wieder aus dem Äther entfernt wurde.

„Die Wochenshow“ (Sat 1) – „Freitag Nacht News“ (RTL)
Die 1996 gestartete „Wochenshow“ war bekanntlich zusammen mit „RTL Samstag Nacht“ für den großen „Comedy“-Boom Mitte der 90er verantwortlich, und damals konnten solche Sendungen auch durchaus noch sehr kreativ und unterhaltsam sein. Natürlich war Rudi Carrell in den 80ern mit seiner „Tagesshow“ der große Vorreiter für das Genre der Nachrichtenparodie in Deutschland, und die heutige „Heute-Show“ führt ja auch irgendwie die Tradition der Namensgebung fort. Aber da es hier ja nur um Sendungen gehen soll, die parallel zueinander liefen, was vornehmlich dem Konkurrenzkampf zwischen RTL und Sat 1 bzw. Pro 7 geschuldet ist, dürfen die „Freitag Nacht News“ nicht unerwähnt bleiben. Das Ganze war im Prinzip gar nicht soo schlimm, aber dafür hat man von den beteiligten Personen seit dem Ende der Produktion eher weniger gehört. Eigentlich sieht man nur Ruth Moschner gelegentlich noch durch irgendwelche dritten Kanäle tingeln, wo sie heutzutage große Shows wie „Das Schlagerrad“ moderiert. Aus den „Wochenshow“-Leuten ist da im Durchschnitt deutlich mehr geworden, obwohl sich gerade Ingolf Lück seit Einstellung der Sendung praktisch von einem Flop zum nächsten hangelte.

Sollte ich ein wichtiges Beispiel vergessen haben, wird es natürlich noch ergänzt. Endgültig geklärt sei damit jedoch schon einmal die Frage nach der Berufsehre vieler Fernsehschaffenden.

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