Die fünf schlechtesten Punk-Parodisten

Nicht erst seit Dieter Hallervordens „Punker Maria“ von 1980 kann man feststellen, dass sich alle paar Jahre mal jemand findet, der den guten Ruf des Punk in den Dreck ziehen will. Die perfideste Methode ist dabei die der Anmaßung, da die allgemeine Öffentlichkeit dabei nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Fälschung unterscheiden kann. Um eine kleine Orientierungshilfe zu bieten, habe ich eine Liste derjenigen Personen erstellt, die sich am schamlosesten ungerechtfertigterweise im Glanz der Punk-Szene sonnen wollen. Falls man eines dieser Imitate entgegen aller Erwartungen trotzdem jemals auf Punk-Konzerten sehen, so sollte sich jeder aufgefordert sehen, die Person freundlich zum Ausgang zurück zu geleiten.

Platz 5: Markus Söder
Der bayerische Finanzminister hat es sich anscheinend vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, an Karneval (in dortiger Landessprache „Fasching“ genannt) stets mit dem dämlichsten Kostüm aufzufallen. Letztes Jahr war es das „Punker“-Kostüm, wie man Punks in reaktionären Kreisen wie der CSU nennt. An der wenig realitätsgetreuen Ausführung ist jedoch glücklicherweise schon für den Laien zu erkennen, dass es sich um einen Schwindel handelt. Insofern würde ich hier von einer eher geringen Gefährdung des Punk-Ethos ausgehen.

Platz 4: Die Redaktion von „Business Punk“
Als würden Business und Punk sich nicht schon wie selbstverständlich ausschließen, müssen die Macher dieses merkwürdigen „Business-Lifestyle-Magazins“, das sich augenscheinlich an die Rebellen unter den BWL-Studenten richtet (die durchaus gerne auch mal Green Day oder Kings of Leon hören), als Motto auch noch die Weisheit raushauen: „Work hard, play hard.“ Was zunächst an die alte Punkrock-Weisheit „Live fast, diarrhea“ (The Vandals) erinnert, zeugt doch nur von einem verkürzten Verständnis von dem, was Punk ausmacht: Tun was man will ist zwar schön und gut, aber nutzlos, solange es nicht gegen dem Scheiß System ist! (Dieses falsche Gleichsetzung ist auch die Krux bei den folgenden zwei Plätzen.) Die Zeitschrift gehört zum Verlag Gruner + Jahr, bei dem auch intellektuell ähnlich gelagerte Publikationen wie „Brigitte“, „Neon“ und „Gala“ erscheinen.  Laut Aussage des Verlags sind die Zielgruppe von Business Punk „junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren. Sie sind berufstätig, überdurchschnittlich gebildet, mit einem hohen Haushaltsnettoeinkommen, urban und kosmopolitisch“. (Quelle) Also durchweg Attribute, die denen von Punks diametral entgegenstehen, wenn man davon absieht, dass auch echte Punks sehr urban sind (insbesondere was Fußgängerzonen, Parks und Bahnhöfe betrifft). Wahrscheinlicher ist jedoch, dass diejenigen die tatsächliche Zielgruppe ausmachen, die diese Eigenschaften gerne hätten.

Platz 3: Sascha Lobo
Eine der bedenklichsten Entwicklungen der letzten Jahre ist es, dass selbst halbwegs seriöse Medien glauben, es sei auch nur von rudimentärer Relevanz, was irgendwelche Blog-Schreiber, Twitter-Benutzer und der Facebook-Pöbel täglich an uninteressanten Gedanken ins Internet stuhlen. Wer schon einmal den Kommentarbereich von Medien wie Spiegel Online gelesen hat, merkt schnell, dass es für das menschliche Zusammenleben eigentlich besser wäre, wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen von der Meinungsbildung ausgeschlossen würden, da sie argumentativ auf dem Stande eines Dreizehnjährigen stehengeblieben und insofern gar nicht als wirklich mündig zu betrachten sind. Am Anfang dieser krampfhaft auf das sogenannte „Web 2.0“ ausgerichteten Entwicklung stand allerdings Sascha Lobo: Der Erfinder des Begriffs „Digitale Bohème“ (als Euphemismus für seine eigene Arbeitslosigkeit, Computersucht und Irrelevanz) hatte mit allen Mitteln versucht, irgendwie Beachtung in den richtigen Medien zu finden, und dachte sich irgendwann vor ein paar Jahren: „Wenn ich mir einen roten Iro machen lasse und dazu mit einer 80er-Jahre-Rotzbremse herumlaufe, bekomme ich bestimmt endlich die Aufmerksamkeit, die mein Ego schon immer nötig hatte!“ Gesagt, getan: Als „Aushängeschild“ der Blogger-„Szene“ wurde er seitdem dank seines Rufs als „bunter Vogel“ ins Fernsehen eingeladen, von Vodafone für Werbespots eingekauft und mittlerweile sogar von besagtem Spiegel Online für das Verfassen meist belangloser wöchentlicher Kolumnen bezahlt. Zwar hat er mit echten Punks gemeinsam, dass er auch nicht richtig arbeiten will, ansonsten merkt glücklicherweise jeder Leser und Zuhörer aber nach wenigen Minuten, dass Herr Lobo keiner von „uns“ ist.

Platz 2: Gerald Hörhan
Ähnlich wie Herr Lobo hat es auch der österreichische Investmentbanker und Multimillionär Gerald Hörhan (38) gemacht: Um Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen, zog er sich irgendwann regelmäßig ein improvisiertes Punk-Kostüm an und bezeichnete sich als „Investment Punk“, um gutgläubige Zeitungen und Fernsehsender mit der ach so überraschenden eingeplanten Symbiose aus Punk-Aussehen und Kapitalistenmentalität zu ködern. Logisch, dass die ersten schnell anbissen, schließlich hat er auf die Frage, was ihn denn zum Punk mache, auch die passendste (siehe oben) Plattitüde parat: Er mache halt, was er will. Im Gegensatz zu uns echten Punks versuche er aber, das System wirtschaftlich zu durchschauen und zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Dass er mit seiner marktliberalen Mentalität tatsächlich das genaue Gegenteil eines Punk-Standpunktes vertritt, fällt ihm natürlich nicht selber auf: Punks wollen das System, das solchen Leuten ihre Geschäfte ermöglicht, bekanntlich abschaffen, und außerdem ist ihnen bei aller „ich-mach-was-ich-will“-Mentalität eine gewisse Ablehnung materieller Oberflächlichkeit und ein Hang zur Solidarität wichtig. Schließlich dürfte ebenso allgemein bekannt sein, wozu die Einstellung „mach, was du willst“ auf wirtschaftlicher Ebene führt. Herrn Hörhan ist das aber vermutlich auch völlig egal, denn sein großes Ziel der Medien­auf­merk­samkeit hat er mit seiner Marketing-Masche ja schon erreicht, mit leider steigender Tendenz. Dazu passt auch sein Dauergrinsen, das auch beim Sprechen so wirkt, als hätte ihm jemand die Mundwinkel an die Backen festgetackert. Mit Punk hat jemand, der die schlimmsten neoliberale Positionen propagiert und öffentlich mit seinem Millionenvermögen prahlt, aber leider doch nur so viel gemeinsam wie Guttenberg mit einem Wissenschaftler.

Platz 1: Campino
(Selbsterklärend)

Und nicht vergessen:

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Eingeordnet unter Musik, Presse, Richtiges Leben

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