Monatsarchiv: November 2012

Stefan Raab

Dass Stefan Raab sich in Musik- und Fernsehdingen gewissermaßen für allmächtig hält, ist ein Eindruck, der sich schon seit vielen Jahren bei mir eingestellt hat. So langsam scheint es aber auch noch mit dem letzten Rest bescheidener Zurückhaltung vorbei zu sein, denn in letzter Zeit wollte Raab nicht nur zeigen, dass er eigentlich auch der beste Polit-Talkshow-Moderator im deutschen Fernsehen ist („Absolute Mehrheit“), sondern hat auch noch eine eigene Karnevalssendung angekündigt. Und weil Pro Sieben anscheinend so sehr auf den Mann angewiesen ist, dass der Sender ihm Gerüchten zufolge (wie die FAZ berichtete) gerne einen neunstelligen Geldbetrag hinterhergeschmissen hat (Leistung muss sich ja lohnen, wie der FDP-Applaus in „Absolute Mehrheit“ gezeigt hat), wird dort offenbar auch ausnahmslos jede seiner Ideen bereitwillig gesendet. Ich habe mir deshalb einmal ein paar ähnlich kreative Gedanken darüber gemacht, womit Stefan Raab auch in Zukunft noch die Medienöffentlichkeit „überraschen“ könnte. Seine Witze und Interviews in „TV total“ zeigen schließlich, dass er sich bei Vorbereitungen gerne auch mal Arbeit abnehmen lässt.

  • „Raab kocht“: Was sich Johannes B. Kerner eventuell als Verlegenheitslösung ausgedacht hat und von seinem ähnlich kreativen Nachfolger Markus Lanz sogar übernommen wurde, könnte Raab zu neuen Höhen führen. „Das Genre der Kochsendungen ist mittlerweile so ausgelutscht“, würde Raab bei der Ankündigung des Formats möglicherweise sagen, nicht ohne dabei noch einen Witz mit „ausgelutscht“ und Essen mitzunehmen. „Dabei bin ich mir sicher, dass man mit ein bisschen mehr Wettbewerbsgedanke eine unterhaltsame Samstagabendshow daraus machen könnte.“ Gesagt – getan: In der natürlich von Brainpool produzierten Show würde rundenweise jeweils ein (fernsehbekannter) Profikoch gegen einen Kandidaten antreten, wobei eine Jury aus Raab, Elton und anderen Sendergesichtern am Ende für die Verkostung zuständig ist. Als Gewinn gäbe es 100.000 Euro, die aber in einen Jackpot fließen, sofern der Profikoch gewinnt. Alle zehn Minuten gibt es außerdem ein Auto zu gewinnen, dessen Ankündigung mit Raabs üblichem leisen Schlagzeugbeat unterlegt ist. Am Ende kocht Raab natürlich auch noch persönlich, aber qua Spielregel ist er automatisch der Beste des Abends.
  • „Wer wird Milliardär?“: Weil sich Quizshows im deutschen Fernsehen momentan konjunkturgemäß wieder in der Rezession befinden, sähe es Raab gerade als besondere Herausforderung an, einer eigenen Quizshow zu Quotenerfolgen zu verhelfen, da er so gerne die Feuilletonartikel darüber läse, dass diesem „Genie [i. e. Raab] doch alles gelingt, was er anfässt“. Dies gelingt natürlich nur mit einer bislang unerhörten Gewinnsumme, nämlich einer Milliarde Euro, die Raab mal eben aus seiner privaten Portokasse vorstreckt. Dass die Zeitungen vorher ethische Debatten darüber anstellen würden, ob man einen solch hohen Gewinn überhaupt ausloben dürfe, juckt ihn mit seinem unverkrampftem Verhältnis zu Geld wenig, dafür steigert es die Aufmerksamkeit so sehr, dass sich selbst RTL nicht traut, parallel Dieter Bohlen gegen die Sendung antreten zu lassen und lieber einen zehn Jahre alten mittelmäßigen Actionfilm wiederholt. Weil Raab aber ausgefuchst ist und den Kandidaten zu Beginn der Sendung per SMS von den Zuschauern bestimmen lässt, die bei einer Auswahl von fünf Vorschlägen erwartungsgemäß für einen sympathischen aber naiven bauernhaften Sportstudenten stimmen, gewinnt zum Schluss natürlich er persönlich. Alle zehn Minuten gibt es außerdem ein Auto zu gewinnen, und als Quizfrage für dieses SMS-Gewinnspiel gibt es die Frage, an der der Sportstudent später scheitern wird.
  • „Das Wort zum Samstag“: Die Fernsehpredigt sieht der katholisch erzogene Raab als „letzte Bastion der öffentlich-rechtlichen Sender“ (fiktives Zitat, genau wie alles andere hier), und lässt daher das Fernsehpublikum in einer vierstündigen großen Samstagabendshow über den besten Nachwuchsprediger abstimmen. Nach der ersten Runde, in der jeder der zehn Kandidaten einen fünfminütigen moralischen Appell an die Zuschauer richten kann, werden die besten drei für das Finale der Show ausgesiebt. Dabei kann man vom heimischen Wohnzimmer aus jederzeit per kostenpflichtiger SMS über seinen Favoriten abstimmen, wobei während der Sendung stets ein „Live-Ranking“ eingeblendet wird, in dem man den aktuellen Zwischenstand sieht. „Dies sorgt dafür, dass es gleich zweimal pro Sendung ein Maximum in der Ertragskurve, ääh, dass es so richtig spannend wird.“ Zusätzlich kann man zuhause ein Auto gewinnen, denn „die Bibel lehrt uns zwar, dass Habgier zu den sieben Todsünden gehört, aber lehrt uns die Fernsehwerbung nicht auch: ‚Geiz ist geil?‘ Hahaha“, wie Raab möglicherweise gekonnt über kritische Kommentare hinweggehen würde. Am Ende gewinnt übrigens der Kandidat Wolfgang Kubicki mit einer Predigt für mehr Eigeninitiative.
  • „Quarks und Raab“: Angestoßen vom Erfolg des „Quarks-und-Co“-Spinoffs „Quarks und Caspers“ im WDR könnte Stefan Raab eines Tages per Pressemitteilung bekannt geben, dass man „auch mit Naturwissenschaften ein Millionenpublikum erreichen“ könne, „wenn man es so unterhaltsam macht wie ich [i. e. Raab]“. Prompt wird in den Feuilletons wieder diskutiert, ob denn ausgerechnet er der Richtige dafür sei, doch die Redakteure sind sich am Ende darüber einig, dass Raab eigentlich wirklich alles könne, „also warum nicht auch Wissenschaft?“ In der Show dürfen dann Physik- und Chemielehrer aus ganz Deutschland als Kandidaten gegen Raab antreten und im Wettstreit die buntesten und lautesten Experimente mit dem größten Erkenntnisgewinn vorführen. Für die nötige wissenschaftliche Tiefe sorgt mit passenden Erklärungen übrigens Pro-Sieben-Senderkollege Aiman Abdallah, den Raab mit der Frage begrüßt, ob es bei seinen Freunden in der Wüste denn überhaupt andere Wissenschaftler als Kamelforscher gäbe (derartige Pointen sind bei seinem Publikum gut erprobt). Obwohl Raab kein einziges Experiment gelingt, tobt der Saal bei ihm jedes Mal, weil das Studiopublikum vom „Warm-Upper“ per Handzeichen dazu angewiesen wird (wie es das bereits von „TV total“ gewöhnt ist). Alle zehn Minuten gibt es außerdem ein Auto zu gewinnen. Die größte Überraschung könnte Raab allerdings mit folgender Fernsehidee gelingen:
  • Eine einstündige Show, in der Raab prominente Gäste einlädt, die gerade keine Werbung für ihre Filme/Sendungen/CDs machen müssen. Mit diesen spricht er dann über Dinge, die in keiner anderen Talkshow behandelt werden, und stellt mitunter auch unverschämte Fragen, wobei es für eine besondere Atmosphäre sorgt, dass während der Aufzeichnung nur wenig bis gar kein Studiopublikum anwesend ist. Zwischendurch zeigt Raab originelle, selbst ausgedachte Einspieler oder witzige Liedideen, die sich angenehm von der gewohnten Ernsthaftigkeit abheben. Der Qualität zuträglich ist, dass er sich dabei zur Abwechslung selbst inhaltlich auf die Sendung vorbereitet und keine von „mit Recht unterbezahlten“ Studenten geschriebenen Billig-Pointen von Pappkartons abliest. Das Ganze ist zudem keinem bestimmten Genre zuzuordnen, weil Raab in dieser Sendung zahlreiche Fernsehkonventionen subversiv missachtet.

Letztere Sendung würde zwar möglicherweise unterdurchschnittliche Quoten einfahren, weil dem Publikum die Orientierungshilfe fehlen würde, an welcher Stelle man zu lachen hat, allerdings würde ich persönlich für eine solche Show vielleicht sogar mal wieder bei ihm einschalten.

Ein Kommentar

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Suchmaschinenbenutzer I

Nach den ersten Monaten des „Bloggens“ halte ich es für eine gute Idee, ein Zwischenresümee zu ziehen, was die statistischen Auswertungen betrifft. Wie manch einer möglicherweise nicht weiß, übertragen Suchmaschinen die Begriffe, über die man auf bestimmte Seiten stößt, standardmäßig als sogenannter referrer mit an die Zielseite, was interessante Einblicke in die Psyche von Internetbenutzern ermöglicht. Da ich Suchanfragen immer auch irgendwie als Fragen interpretiere, beantworte ich diese hilfsbereiterweise einfach mal:

wie heißt das lied a a follow
aa follow honey

Ich glaube, es ist eine der zwei Möglichkeiten.

i i follow rivers nervt
euphoria ist ein furchtbarer song
ich sagen nur fuck of bonjovi
„we are young“ fun nervig
silbermond schwachsinn musik

Dagegen kann eigentlich keiner was sagen.

deutschland muss sterben rockabilly cover

Das würde ich auch gerne hören.

razzia tag ohne synthesizer

So könnten Razzia vielleicht ihr Best-of-Album nennen.

auf der couch sitzende frau hört schlager

Sehr schön, aber warum schreiben Sie nicht einfach ein Buch drüber?

sibylle berg lifting
sibylle berg geliftet
sybile berg lifting
sibille berg lifting
warum ist sibylle berg geliftet

Das Thema ist wohl äußerst beliebt. Vielleicht sollte man sie selber mal fragen?

david werker unlustig
bülent ceylan wenig niveau
dieter nuhr selbstgefällig

Braucht man dafür wirklich noch eine Bestätigung über Google?

sperm on andrea kiewel

Wer möchte denn sowas sehen? Was für Phantasien manche Menschen haben…

ich wohne neben gaby köster

Herzlichen Glückwunsch!

maler hässliche bilder

In meinem Blog gibt es überhaupt keine Bilder!

joko klaas hipster

Da ist duchaus was dran.

der mit dem bart bei jupiter jones

Der würde eigentlich in dieselbe Kategorie fallen.

eine frage falls man rouladen zu macht kann man durch kamera sehen

Einigen Leuten sollte man wirklich erklären, wie man das Internet benutzt. „Sag mal Google, wie heißt eigentlich die eine Moderatorin grad auf RTL? Ey, warum antwortest du nicht?“

durchfall extrem

Schön, dass mein Blog auch bei jüngeren Menschen gut anzukommen scheint.

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Blitzkrieg Bop

Obwohl ich Casting-Sendungen nicht leiden kann, habe ich heute zufällig „X-Factor“ im Fernsehen gesehen, und das Einschalten hat sich schon alleine dafür gelohnt, dass ich dort die unpassendste Version von „Blitzkrieg Bop“ aller Zeiten hören durfte! Den Song hier großartig vorzustellen ist natürlich unnötig, aber er gilt als erste Ramones-Single ja nicht umsonst als Prototyp schlechthin für den simplen, energischen Rock and Roll, der sich Ende der 70er als eigenes Genre namens Punkrock etablierte. Allein schon der Titel zeigte allen, wo es langgeht!

All dies hat die zweiköpfige Band „Mrs. Greenbird“ heute Abend mal eben komplett in die Tonne getreten, indem sie den Song in einem Anfall vermeintlicher Originalität als Schmuse-Folk-Version mit Indie-Verpackung nachspielte. Ich als Zuschauer schwankte während der Performance nach anfänglichem Unglauben zwischen Erheiterung und peinlicher Berührung, wobei erstere letzendlich überwog. Ich bekam sogar Respekt vor ihrem beeindruckenden Triple, was im Grabe rotierende Ramones betrifft.

Und weil ich meine Kritik immer konstruktiv formulieren will, habe ich mir ein paar Gedanken darüber gemacht, was sich Mrs. Greenbird in den nächsten Runden sonst noch so als Herausforderung stellen könnten:

  • „California über alles“ (Dead Kennedys) als einfühlsame Piano-Ballade
  • „Six Pack“ (Black Flag) als Elektro-Tanzversion mit Dubstep-Einflüssen
  • „Straight Edge“ (Minor Threat) als Swing-Version, falls es das noch nicht gab
  • „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ (Die Kassierer) in der souligen R&B-Fassung (mit Autotune).

Gute Idee? Gute Idee!

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