Bash! – Cheers & Beers (2002)

Nun etwas aus aktuellem Anlass: Zum Tode Neil Armstrongs fällt mir doch direkt eine bestimmte Punkrockplatte ein, nämlich diejenige, die hier in der Überschrift steht. „Cheers & Beers“ war das letzte Album der Krefelder Oi!-/Streetpunk-Band Bash!, bevor diese sich im Jahr 2004 auflöste, und ist insofern eine Besonderheit, als dass in dieser Zeit Claus Lüer (damals gerade Ex-Sänger von Knochenfabrik) als zweiter Sänger und Gitarrist in die Band eingestiegen war. Dessen Gespür für alberne Texte ist auf dieser beim Qualitätslabel Vitaminepillen Records erschienenen Platte daher unverkennbar.

Wie gehabt spielt die Band auf dieser LP mal wieder eine Mischung aus englischen und deutschen Texten. Letztere sind für mich gerade wegen des Humors das eigentliche Highlight des Albums. Dabei stechen meiner Meinung nach vor allem so bescheuerte Lieder wie „Wo ist mein Bier?“, „Nenn es ganz einfach Rock’n’Roll“ oder eben „Neil Armstrong“ besonders hervor. Dieses beeindruckt mit einer erstaunlich hintergründigen philosophischen Aussage, über die es sich nachzudenken lohnt: „Als ich klein war, war ich sicher, dass ich einmal Astronaut bin, so wie jedes kleine Kind. Schuld ist nur die scheiß Gesellschaft, dass wir keine Astronauten, sondern Asoziale sind.“

Aber auch andere Reime sind bemerkenswert: „Wo ist mein Bier? Bevor ich pinkeln war, stand es noch genau hier. Wo ist mein Bier? Ich werd zum Tier. Wer spielt denn da so ein beschissenes Spiel mit mir? Wo ist mein Bier?“ Später dann: „Und ich bin froh, dass ich auch mal verzichten kann, und nicht wie damals, als ich jung war und naiv. Ich hab geglaubt: wer nicht säuft, hat ’nen kleinen Pillemann; und heute brauche ich zum Saufen kein Motiv.“ Wie man sieht, handelt es sich hierbei um Asi-Musik der stilvollen Art, die man auch als Akademiker goutieren kann.

Das alles wird gekonnt mit Gitarrendudelei und netten Melodien ergänzt, was „Cheers & Beers“ zu einer Hit-Platte macht, die zu Unrecht eher den Status eines Geheimtips inne hat. Hervorzuheben ist schließlich auch noch der große Hit „Selig“, der gegen Ende der Platte für einen melancholischen Moment sorgt, ohne sich jedoch selbst allzu ernst zu nehmen. Am Ende lässt sich festhalten, dass zumindest der deutschsprachige Teil dieser LP zum Besten gehört, das in den letzten zehn Jahren hierzulande im Punk-Bereich veröffentlicht wurde. Die empfehlenswerte Bash!-Nachfolgeband Nonstop Stereo setzt übrigens, soweit ich weiß, ausschließlich auf deutschsprachige Texte. Es bleibt die Erkenntnis, dass es in einer besseren Gesellschaft jedem so ergangen sein könnte wie Neil Armstrong.

Überzeugen Sie sich selbst:

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Musik

Platz für Lob

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s