Dudelfunk III

Das neueste Lied, das mir in der Heavy Rotation von 1 Live schon nach dem ersten Hören auf den Sack gegangen ist, kommt überraschenderweise mal wieder aus Schweden, und nennt sich „I Follow Rivers“, obwohl ich hätte schwören können, dass irgendwie „Aa“ im Titel vorkommen müsste, zumal es dem Song besser gerecht werden würde. Denn auch hier handelt es sich um völlig triviale „Dance“-Musik, die man aus den späten 90er Jahren noch kennt*, als es zum Ideal der Popmusik wurde, dass drei Minuten Song mit einem konstant wiederholten Refrain gefüllt werden. Auch in diesem Fall hat man den Eindruck, 90 % des Songs bestünden ausschließlich aus den bis zum Erbrechen wiederholten Zeilen „I, I follow, I follow you, deep sea baby, I follow you/I, I follow, I follow you, dark boom honey, I follow you.“  Bei dieser übersprudelnden Kreativität der 26jährigen Sängerin Lykke Li musste ihr Berufsweg natürlich schon vorgegeben sein, denn wie sie selbst sagt:

Für mich war es immer klar, dass ich später etwas mir [sic] Kunst machen möchte. […] Ich habe überlegt ob es Mode oder Malerei sein könnte, bis ich mich für die Musik als Ausdrucksform entschied.**

Ihre reichen Eltern bezahlten der ausgebufften Künstlerin also prompt Musikinstrumente und was sie sonst noch alles zur Selbstverwirklichung benötigte, wie zum Beispiel Weltreisen, eine Wohnung in New York und natürlich ein eigenes Plattenlabel (!). Ohne sich also erst mühevoll hochspielen zu müssen, kam für Lykke Li schnell der große Erfolg bei jungen Leuten, die sich mit ihrer „artsy“ Herangehensweise identifizieren können (also eine Teilmenge der Kategorie „Hipster“), und natürlich bei Liebhabern belangloser Dudelmusik, weshalb sie auch schon bald einen Song für einen „Twilight“-Soundtrack aufnehmen durfte. Glücklicherweise gibt es für den anspruchsvolleren Musikfreund aber mittlerweile einen Hoffnungsschimmer, denn laut Wikipedia hat die mittelmäßig begabte Schwedin neuerdings eine neue Arbeitsstelle in dem „Beruf“ gefunden, der ihr eher zu liegen scheint, nämlich dem des Models. Dort wird nämlich das zelebriert, was Frau Li sich wohl schon immer als Ziel ihrer Selbstverwirklichung gewünscht hat: mit bedeutungsvoll aufgeblasener Oberflächlichkeit ins Rampenlicht zu kommen. Hauptsache, sie macht dann auch keine Musik mehr!

„I Follow Rivers“ ist nämlich derzeit der nervigste, weil repetitivste Radiosong, der in Deutschland regelmäßig über den Äther dudelt. Lykke füllt damit eine Lücke (haha), die uns schon vor drei Jahren mit „Jungle Drum“ (Emiliana Torrini) und vor zwei Jahren mit „Hollywood“ (Marina and the Diamonds) aufgezeigt wurde: Den Sommerhit, der von einem jungen, mainstream-hübschen One-Hit-Wonder gesungen wird, welchem zu Vermarktungszwecken irgendwie die Prädikate „indie“ und „alternative“ umgehängt wurden. Irgendwie ist es aber letztendlich doch nur triviale Popmusik.

Überzeugen Sie sich selbst:

* Ich weiß, dass es sich bei dem im Radio gespielten Lied um einen Remix handelt; das Original ist aber musikalisch nur unwesentlich anspruchsvoller.

** Das Zitat stammt von dieser Seite, auf die ich natürlich über den Wikipedia-Artikel gekommen bin.

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