Die RTL Comedy-Woche

Am Freitag lief, wie im letzten Beitrag bereits erwähnt, die erste Folge des neuen RTL-Wochenrückblicks „Die RTL Comedy-Woche“ (eigentlich mit „Leer Zeichen“; „Eigenschreibweise: Die RTL Comedy Woche“, würde Wikipedia schreiben), und schon die Ankündigung machte deutlich, dass man hier mit der lustigsten Sendung aller Zeiten zu rechnen habe:

Wenn die besten Comedians Deutschlands aufeinandertreffen, dann ist der Lachanfall garantiert. Das Zwerchfell zwickt und kein Auge bleibt mehr trocken. So viel geballte Comedy gibt es nur selten im Deutschen [sic] TV.

Also gut. Wenn die das versprechen, dann wird da ja wohl auch was dran sein! Die Sendung beginnt denn also mit der theatralischen Vorstellung der Protagonisten, die in albernen Astronautenkostümen das etwas überdimensionierte Studio betreten. Dies sind der unvermeidliche „Atze Schröder“, Bülent Ceylan, der ehemalige Kabarettist und jetzt Comedian Dieter Nuhr, sowie „Paul Panzer“, dessen Darsteller schon erstaunlich lange damit Erfolg hat, Humor nahezu ausschließlich durch eine komische Aussprache zu erzeugen. Laut Vorankündigung wird in den nächsten Ausgaben auch Eckart von Hirschhausen dazustoßen, der zwar meines Erachtens ganz gut moderieren kann, als Komiker jedoch meist die gleichen Witze aus seinem Programm erzählt (man schaue sich sämtliche Fernsehauftritte der letzten Monate von ihm an und zähle dann nach, wie oft er seinen „Ich-suche-eine/n-Frau/Mann-mit-Humor“-Witz vorträgt). So weit, so gut; die Besetzung ist also qualitativ auch nicht viel besser oder schlechter als damals bei „7 Tage, 7 Köpfe“, der Sendung, die hier in den Medien oft als Vergleich herangezogen wurde. Der große Unterschied ist, dass bei der „Comedy-Woche“ dieselben Nasen sitzen, die man sowieso ständig in anderen RTL-Shows sieht, bei „7 Tage, 7 Köpfe“ hingegen außer einer Supernase eher unbekannte Gesichter von Rudi Carrell zusammengesucht worden waren.

Entsprechend überraschungsfrei lief deswegen der neue Sendungsversuch ab. „Atze Schröder“ legte mit seinen Witzen zum Thema „Promi-Väter“ die Niveau-Messlatte schon mal ganz nach unten. Haha, Sigmar Gabriel zählt als Frau, weil er so große Brüste hat. Haha, Ulrich Wickert ist ganz schön alt, der ist sogar schon abgelaufen. Und der obligatorische Reiner-Calmund-Witz: „Selbst die dickste Kerze hat irgendwo ’nen Docht.“ All das reißt mich zu einem „Facepalm“ hin und lässt mich persönlich vermuten, dass der Darsteller hinter dieser Kunstfigur entweder ein Zyniker sein muss, der bei seiner Selbstvermarktung alle Skrupel beiseitelegen kann, oder dass der Darsteller ähnlich intelligent sein muss wie der Dargestellte, da ihn ja andernfalls sämtliche intellektuelle Alarmglocken eigentlich daran gehintert haben müssten, solch eine Art von Witzen vorzutragen.

Bülent Ceylan verschwand irgendwann hinter der Bühne und kam als Pirat verkleidet wieder zurück, angekündigt von einem Einspieler, der ihn mit der „Fluch-der-Karibik“-Filmmusik als „Türk der Karibik“ vorstellte. Ich habe ehrlich gesagt den Witz daran nicht verstanden. War dort irgendein Wortspiel versteckt, das an mir vorbeigegangen ist, oder haben die tatsächlich einfach nur „Fluch“ durch „Türk“ ersetzt und gedacht, das sei schon eine Pointe? Als kleines Kind im Grundschulalter fand ich mal Superhelden ganz toll, also hängte ich beim Spielen eine Zeit lang „Super-“ vor meinen Vornamen (also „Superroulade“). Dies entspräche ungefähr der kreativen Humorleistung eines bezahlten Comedy-Autors für RTL.

Ergänzt wurde „Türk der Karibik“ dann vom säbelrasselnden Ceylan, der in die Kamera ruft: „Ich mach Hackfleisch aus dir…“ – na, wie geht der Gag wohl weiter? Kleiner Hinweis: Es ist der vorhersehbarste und unlustigste in dieser Situation vorstellbare Witz. Selbstverständlich: „…oder besser: Döner.“ Das Publikum applaudiert und jubelt dabei. Und es lacht richtig laut, obwohl bei den Kamerazooms auf einzelne Zuschauerreihen oft nur leicht schmunzelnde Höflichkeitsklatscher zu sehen sind. Es folgen noch weitere leicht vorhersehbare Witze wie „Depp“/„Johnny Depp“, die Piratenpartei (versteht ihr? Piraten!) und natürlich dieser nervige Standardsoziolekt für türkischstämmige Komiker, der schon bei „Was guckst du?“ alt war.

„Paul Panzer“ redete mal wieder mit seinem aufgesetzten Sprachfehler, und auch Dieter Nuhr machte das, was er halt immer so macht, und spielte den zurückhaltenden Intellektuellen, der ab und zu mit den anderen über die FDP herzog, aber erstaunlicherweise nicht über Linke. Höchstens natürlich über die Piratenpartei, wenn das zählt, oder gleich Nordkorea. Da ging es um den dort vor kurzem fehlgeschlagenen Raketentest, den er kommentierte mit: „Wir kennen das so’n bisschen vom Silvesterfeuerwerk: Man denkt, gleich knallt es richtig, und dann macht es: pfff!“ Im F.A.Z.-Fernsehblog steht treffend, dass dies die Gemeinsamkeit zwischen Nordkorea, Silvesterfeuerwerken und „RTL-Programminnovationen“ sei.

Oh, und David Werker war auch schon wieder dabei (unglaublich, dass einem die Medienpräsenz dieses Mannes bereits nach zwei Tagen völlig übertrieben vorkommen kann!), und zwar als Außenreporter beim Piratenpartei-Stammtisch irgendwo auf der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld, wo er anscheinend so schnell wieder rausgeschmissen wurde, dass er nicht einmal mehr einen vorbereiteten Witz in die Kamera sagen konnte.

Spontaneität oder Kreativität waren für mich in der gesamten Sendung kaum zu erkennen, auch das ist eine Gemeinsamkeit mit „7 Tage, 7 Köpfe“. Die Witze wirkten hundertprozentig durchgeplant, anscheinend von einem Autorenteam mitverfasst, genau wie die Dialoge. Das Furchtbarste ist ja, dass die hier auftretenden Komiker auch noch viel Geld dafür bekommen, dass sie genau das tun, was man im Fernsehen sehen konnte. Ich bin insgesamt also eher skeptisch, ob das eine neue Lieblingssendung für mich werden könnte. Zum Abschluss noch ein Zitat aus der Programmankündigung: „Achtung: Vor dieser lustigen Truppe ist kein Thema sicher!“ Ich schlage als Thema die Piratenpartei vor, darüber gab es nämlich bisher zu wenig.

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Eine Antwort zu “Die RTL Comedy-Woche

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