Sibylle Berg

Eigentlich bin ich ja selber Schuld, dass ich ohne triftige Ausrede eine Kolumne bei Spiegel Online angeklickt habe, aber der Titel hat mich aufmerken lassen, denn es geht in Sibylle Bergs neuester Kolumne um „Sexismus im Alltag“. Als vernunftorientiert denkender Mensch bin ich natürlich immer dafür zu haben, wenn berechtigterweise Missstände wie Sexismus aufgedeckt werden, aber dann bitte nicht so. Zu diesem Artikel sollten nämlich einige Dinge klargestellt werden:

  • Erstens hat sich Madonna, wenn man sich ihre Musikvideos von Anfang an betrachtet, schon immer als Sexsymbol vermarkten lassen und ihren Arsch gerne in jede Kamera gewackelt, bei Preisverleihungen dem geilen Männerpublikum alberne Lesbenspiele vorgeführt sowie zu den meisten Anlässen Klamotten getragen, die eigentlich nur dazu gedacht scheinen, Männerfantasien zu befriedigen.
  • Sie tut weiterhin alles dafür, um möglichst jugendlich auszusehen. Bei männlichen Prominenten wird solches Verhalten ebenfalls belächelt. (Ich habe leider die Namen dieser gelifteten Schauspieler vergessen, weil ich mich nicht für sowas interessiere.)
  • Die Red Hot Chili Peppers haben sich meines Wissens nie in einem erotischen Kontext in der Öffentlichkeit präsentiert, und wenn, dann höchstens ironisch.
  • Die Red Hot Chili Peppers sind ebenfalls peinlich und hätten sich längst auflösen sollen.

Wenn Frau Berg beklagt, dass die Leistung von Frauen nur dann geschätzt werde, wenn diese gut aussähen, dann meint sie eigentlich die Welt der Popkultur. Leider hat sie sich offenbar selber auf dieses System eingelassen, denn sie setzt es mit allem anderen absolut. Es bleibt immer noch jeder (und jedem) selbst überlassen, ob sie (oder er) sich in diese Welt der Mode und der Kosmetik begeben möchte, oder sich lieber mit wesentlicheren Dingen beschäftigen will. Hätte Madonna sich beim Musikmachen für zweiteres entschieden, wäre ihre Vermarktung natürlich anders gelaufen, und man hätte statt dem Aussehen den Maßstab des Talentes angewandt. Dann wäre sie zwar vermutlich nicht berühmt geworden, aber sie hätte immerhin die Würde gewahrt, die Frau Berg nicht so richtig definieren kann. Fragt jemand bei ernstzunehmenden Künstlerinnen wie Patti Smith, Kate Bush oder Björk nach dem Alter? Angela Merkels Politik wird auch nicht danach beurteilt, wie sie aussieht, und wenn es Witze darüber gegeben hat, dann sind die genauso legitim wie Witze über Westerwelles Grubenvisage. Niemand fordert den Rücktritt von Politikerinnen aus Altersgründen. Wenn Frau Merkel sich plötzlich liften ließe, müsste sie sich natürlich auch Witze darüber gefallen lassen. Die „sexistische Frechheit“ (Berg) ist nämlich nicht, dass Frauen wie Madonna nach oberflächlichen Maßstäben beurteilt werden, sondern dass sie sich diese als eigentlich mündige Bürgerinnen selbst haben auferlegen lassen.

Fairerweise muss ich Frau Berg gegenüber aber zugeben, dass es mir selber auch oft schwer fällt, mir mehrmals im Monat halbwegs sinnvolle neue Artikel auszudenken.

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